Am Montag, den 4. Mai 2026 fand in der Bezirksvorstehung Penzing die Erste Ökosozialen Bezirkskonferenz statt. Die Veranstalter – das Ökosoziale Forum Wien, das Biosphärenpark Management und die Bezirksvorstehung Penzing – haben dabei das Miteinander von Mensch und Natur im Westen Wiens zum Thema gemacht. Expert:innen der Stadt Wien, des Biosphärenpark Managements und namhafter Vereine – wie etwa des Naturschutzbund Wien trafen mit Mandatar:innen und Stakeholdern aus den sieben Wiener Biosphärenparkbezirken zusammen. Neben Akteuren aus Wien durften die Gastgeber:innen, Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner, die Präsidentin des Ökosozialen Forums Wien, Andrea Schnattinger und Biosphärenpark-Direktor Andreas Weiß aber auch Gäste aus Nachbargemeinden sowie von österreichweit tätigen Vereinen wie dem Verband der Naturparke, der ARGE Streuobst oder dem Ökosozialen Forum Österreich begrüßen. Im Folgenden blicken wir zurück auf einen Abend, der der thematischen Vertiefung zu Naturschutzthemen, dem Miteinander von Mensch und Natur in einer Millionenstadt sowie dem Austausch über aktuelle Fragen rund um den Biosphärenpark und seiner Entwicklung gewidmet war.
Bitte beachten Sie auch die Veranstaltungen im Rahmen der Penzinger Umwelt- und Biodiversitätswochen sowie das Veranstaltungsprogramm des Biosphärenpark Wienerwald Management, des Naturschutzbund Wien und das regionale Veranstaltungsprogramm für Penzing.
„Mensch trifft Natur – in der Lebensregion Biosphärenpark Wienerwald“

Andrea Schnattinger, die Präsidentin des Ökosozialen Forums Wien und Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner betonten in ihrer Begrüßung, dass Information und Austausch eine besonders wichtige Grundlage für die nachhaltige Entwicklung einer Region darstellen. Denn sowohl die Sicherstellung von Lebensqualität für die Menschen als auch der Schutz der Natur erfordern immer wieder neuen Dialog und neue Lösungswege. Diese können nur gemeinsam gefunden werden. Präsidentin Schnattinger brachte daher ihre Freude über das Zustandekommen der allerersten Ökosozialen Bezirkskonferenz zum Ausdruck, die sich genau diesem Dialog für eine nachhaltige Regionalentwicklung widme. Bezirksvorsteherin Schüchner betonte, dass Penzing als Bezirk im Themenfeld Natur und Naturschutz sehr engagiert sei und das Thema einen hohen Stellenwert habe – sowohl in der Bezirkspolitik als auch für die Menschen, die im Bezirk leben. Sie freue sich daher sehr, im Vorfeld des heuer in Penzing stattfindenden „Tages der Artenvielfalt“ auch Gastgeberin für die erstmalig stattfindende Ökosoziale Bezirkskonferenz sein zu können. Sie wies auch auf die Veranstaltungen hin, die die interessierte Bevölkerung im Rahmen der Penzinger Umwelt- und Biodiversitätswochen in den nächsten Wochen erwartet (Programm siehe unten).
Die fachlichen Redebeiträge
Ziel eines Biosphärenparks ist es ganz allgemein, Schutz und Nutzung einer besonderen Landschaft und ihrer Natur zu verbinden – also die Natur zu schützen, wo Lebensräume und Arten diesen Schutz brauchen und gleichzeitig die Region zu einer Lebensregion für verantwortungsvolles Wirtschaften und Handeln zu entwickeln. Der Biosphärenpark Wienerwald, der sich über 51 Niederösterreichische Gemeinden und die Westteile von sieben Wiener Gemeindebezirken (insgesamt rund 1056 km²) erstreckt wurde 2005 von der UNESCO anerkannt und 2006 offiziell per Gesetz in den beiden Bundesländern zum Biosphärenpark erklärt.
Biosphärenpark-Direktor Andreas Weiß skizzierte auf der Konferenz die aktuellen Schwerpunkte des Biosphärenpark-Wienerwald-Managements sowie dessen Ziele und Herausforderungen, stellte aber auch die zahlreichen Aktivitäten und Angebote an die Bevölkerung vor. „Der Biosphärenpark ist für alle da“ – mit diesem Statement wies er auf Bedeutung dieser Lebensregion für die Bevölkerung und die Maßgebliche Funktion der Naturräume für Lebensqualität beispielsweise durch Erholung und Abkühlung hin. Aber auch Bildung und Naturvermittlung zählen zu den Prioritäten des Biosphärenpark Management. Eines der Highlights unter den Publikumsveranstaltungen ist dabei der jährlich stattfindende “Tag der Artenvielfalt”, der dieses Jahr am 12. und 13. Juni ebenso in Penzing stattfindet.
Veranstaltungstipp: “Tag der Artenvielfalt” am 12. und 13. Juni in Penzing (mehr erfahren)


Hannes Berger vom Forstbetrieb der Stadt Wien hob in seinem Vortrag die forstwirtschaftliche Praxis hervor, die in den Wiener Bereichen die Grundlage für diesen Schutz der Natur, des Waldes und der Wiesen begründet. Die Stadt setzt hier gezielt auf schonende, biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung. Denn die Naturlandschaften des Wienerwaldes werden gleichzeitig als Lebensraum von Pflanzen und Tieren, als Kulturlandschaften, aber auch als Wohnort und Erholungsgebiete für die Menschen gepflegt. Dazu braucht es eine Bewirtschaftungspraxis, die sich von denen einer ertragsorientierten Forstwirtschaft in vielen Punkten unterscheidet. Nur so kann ein vielfältiger Dauerwald entstehen die Biodiversität des Waldes voll zur Entfaltung kommen. Beispiele dafür sind die zurückhaltende Entnahme von Bäumen, das Belassen von Totholz, der Verzicht auf den Einsatz schwerer Maschinen zur Vermeidung von Bodenkompression u.s.w. Er zeigte aber auch die unterschiedlichen Funktionen des Waldes als Bestandteil der Daseinsvorsorge der Millionenstadt Wien auf. Hier sind beispielsweise die Erholungsfunktion, die Kohlenstoffspeicherung aber auch die Wasserspeicherfunktion (Schutzwirkung bei Hochwasserereignissen) zu nennen. (Präsentation)
Um dieser natürlichen Vielfalt Raum zur Entfaltung zu geben wird mit bestehendem Grünraum sorgfältig umgegangen. Das gesamte Biosphärenpark-Gebiet ist zudem in Kern-, Pflege und Entwicklungszonen eingeteilt. In den Kernzonen -von denen es in Penzing gleich drei, in Wien neun und insgesamt über dreißig gibt – steht der Naturschutz an oberster Stelle. Hier gibt es keine Bewirtschaftungsmaßnahmen und die Entwicklung des Waldes geht wieder in Richtung eines Urwaldes. Harald Gross von der Stadt Wien – Umweltschutz führte dazu Näheres über Schutzkategorien und Schutzmaßnahmen sowie deren kontinuierliche Weiterentwicklung aus. Er gab darüber hinaus Einblick in Penzings beeindruckende Artenvielfalt und die Vielzahl an unterschiedlichsten Tieren und Pflanzen. Veranstaltungen wie der Tag der Artenvielfalt würden den Menschen die Möglichkeit bieten, die lebendige Natur des Wienerwaldes kennenzulernen und Menschen jeden Alters für Naturschutz sensibilisieren. Daher wären diese Veranstaltungen so wichtig. Beispielsweise können im Rahmen der Nachtführungen am 12. Juni auch die nachtaktiven Tiere wie etwa die Fledermäuse beobachtet werden. Aber auch das Naturdenkmal Salzwiese, für das aktuell ein neues Schutzkonzept umgesetzt wird, kann dieses Jahr an gleich mehreren Terminen mit Expert:innen besucht und kennengelernt werden.


In der anschließenden Diskussion kamen zahlreiche Aspekte zur Sprache – unter anderem die Problematik invasiver Arten, der Wert von Totholz und alten Obstbäume wie auch Maßnahmen, die die Auswirkungen des Nutzungsdruck auf die Vielfalt an Tieren und Insekten in manchen Gebieten zu reduzieren. Klarerweise ergeben sich hier auch Nutzungskonflikte, die nach einer sachlichen und fachlich fundierten Lösungen im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung verlangen.
Die Wiener Umweltanwältin, Iris Tichelmann, stellte in diesem Kontext die Aufgaben der Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) vor – einer weisungsfreien Stelle der Stadt Wien, die die Interessen der Umwelt vertritt und Bürger*innen, die sich mit Fragen und Anliegen im Bereich des Umweltschutzes an sie wenden, fachkundig berät und unterstützt. Das Miteinander von Mensch und Natur in der Großstadt und die Bearbeitung von komplexen Umweltproblemen ist Teil der täglichen Arbeit der WUA, so die Umweltanwältin.
Entwicklung im Einklang von Mensch und Natur braucht Diskurs

Zentrale Themen in der Diskussion waren – wie so oft – der Klimawandel und seine Auswirkungen. Beispielsweise steigt durch die zunehmende Trockenheit nicht nur der Schädlingsdruck punktuell stark an – auch stehende Gewässer und Tümpel in Wald- und Wiesengebieten werden hier in Mitleidenschaft gezogen und trocknen aus. Sie sind aber für Amphibien wie Frösche und Kröten lebenswichtig. Zunehmende Hitze und Trockenheitsphasen machen einigen Pflanzen – unter anderen alten Bäumen – zu schaffen, da diese an einen reichhaltigeren Wasserhaushalt gewöhnt sind und Trockenheit schwerer verkraften. So verändern sich die Ökosysteme über die Zeit hinweg, sodass nahezu sicher zu erwarten ist, dass der Wienerwald in 30 bis 50 Jahren deutlich anders sein wird als wir ihn heute kennen.
Die weitläufigen Wälder im Westen der Stadt sind aber auch essentiell, wenn eine andere Klimawandelfolge – das Gegenteil von Trockenphasen, nämlich Starkregenereignisse und Hochwasser – eintritt. Denn die Wasserrückhaltefähigkeit gesunder Waldböden ist wesentlich dafür, dass Hochwasserereignisse wie jenes aus 2024 überhaupt mit den technischen Schutzmaßnahmen noch bewältigt werden konnten. Ohne die Fähigkeit der Waldböden, große Mengen an Wasser zu speichern, würde bei diesen Ereignissen, die im Zuge des Klimawandels immer unberechenbarer und häufiger werden, noch deutlich mehr Wasser durch das Wiental und die Wienerwaldbäche herab in Richtung Stadtzentrum fließen. Darüber hinaus ist die Kühlwirkung des Wienerwaldes für die gesamte Stadt Wien von essentieller Bedeutung. Ohne den abkühlenden Effekt aus dem Westen Wiens wäre die Stadt bis weit ins Zentrum hinein deutlich heißer und trockener als sie heute ist. Die Lebensqualität und Luftqualität Wiens ist also teils auch Verdienst dieser wichtigen Schutzzone, in der Mensch und Natur aufeinandertreffen.
Kurzum: Wien wäre nicht Wien ohne den Wienerwald – weder in seiner einzigartigen Lebensqualität, noch in seiner einzigartigen Landschaft und natürlichen Vielfalt. Dass der Westen Wiens ein Naturjuwel ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt, darin waren sich die Teilnehmer:innen der Konferenz ebenso einig wie bei der Feststellung, dass der Schutz der Natur ein Prozess ist, der laufender Aufmerksamkeit bedarf und der von Politik und Bevölkerung gemeinsam getragen werden muss. Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner verwies in diesem Kontext auf das aktuelle Beispiel Salzwiese, die 1986 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde und auf deren Einzigartigkeit im Rahmen einer aktuellen Kampagne hingewiesen wird. Gezielte Maßnahmen sollen dafür sorgen, dieses Naturdenkmal und die darauf vorkommenden seltenen Arten trotz der hohen Besucher:innenzahlen möglichst gut zu schützen.
Penzinger Umwelt- und Biodiversitätswochen & Tag der Artenvielfalt 2026

Die Veranstaltung „Erste Ökosoziale Bezirkskonferenz: Mensch trifft Natur in der Lebensregion Biosphärenpark Wienerwald“ bildete den Auftakt zu den Penzinger Umwelt- und Biodiversitätswochen. Diese finden heuer anlässlich des in Penzing stattfindenden Tages der Artenvielfalt statt. Im Folgenden haben wir einige Veranstaltungen daraus hervorgehoben.
Ein vollständiges Veranstaltungsprogramm finden Sie unter diesem Link.
- Di, 26. Mai (10.00 -12.00 Uhr) | Mi, 3. Juni (17.00 -19.00 Uhr): Exkursionen zum Naturjuwel Salzwiese (beide Termine leider ausgebucht – weiterer Termin am 3.10)
- So, 31. Mai (ab 11.00 Uhr): Biosphärenpark-Cup 2026 (in der Nachbargemeinde Mauerbach)
- Fr, 5. Juni (ab 15.00 Uhr): Lesungen im Buchquartier
- Marion Jaros: Die fabelhafte Welt der Schmetterlinge
- Magdalena Sorger: Ameisen – Die geheimen Herrscher:innen der Welt
- Fr, 12 Juni (Abend) | Tag der Artenvielfalt – Nachtführungen
- Sa, 13. Juni (ab 13.00 Uhr): Tag der Artenvielfalt im MTB Trailcenter Wien/Hohe Wandwiese
- Mi, 24. Juni (19-21h): Stadtexkursion: Flugkünstler der Großstadt – Treffpunkt: Vor der Bezirksvorstehung Penzing
Während der gesamten Zeit:
- Bücherei Penzing: Büchertisch zum Thema Natur, Garten, Tiere & Co. (zu den Öffnungszeiten)
- Bezirksmuseum Penzing: Ausstellung “Penzing und das Wasser”, “Gesichter der Vielfalt” sowie Wienerwaldsaal der Dauerausstellung (zu den Öffnungszeiten)
Veranstaltungsprogramme:
- Veranstaltungsprogramm des Biosphärenpark Wienerwald
- Veranstaltungsprogramm des Naturschutzbund Wien
- Regionales Veranstaltungsprogramm für Penzing
Weiterführende Hinweise und Links:
- Biosphärenpark Wienerwald
- Biosphärenpark-Veranstaltungskalender
- Zonierungskarte
- Kernzonen-Steckbriefe Biosphärenpark Wienerwald
- Stadt Wien – Umweltschutz
- Stadt Wien – Forstbetrieb
- Wiener Umweltanwaltschaft
- Bezirksvorstehung Penzing
Veranstaltungsbilder: Murtaza Elham für Ökosoziales Forum Wien
Die Erste Ökosoziale Bezirkskonferenz war eine Kooperationsveranstaltung von Ökosoziales Forum Wien, Bezirksvorstehung Penzing, Biosphärenpark Wienerwald Management in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb der Stadt Wien und der Stadt Wien – Umweltschutz.


