Mensch und Natur

Die Wand mit ihren vielfältigen, seltsamen, so noch nicht gesehenen Lebewesen. Dann der Blick in den Spiegel: Ein Mensch als Gegenüber. Teil der Natur? Oder doch ganz etwas anderes? 

Das Naturverhältnis von uns Menschen macht dem Planeten zu schaffen. Die ökologischen Krisen spitzen sich zu. Nicht nur der Klimawandel zählt zu den großen, globalen Herausforderungen – um nicht zu sagen: Bedrohungen. Auch die Artenvielfalt leidet unter den negativen Einflüssen der menschlichen Gesellschaften. In der Wissenschaftswelt spricht man davon, dass das Artensterben auf dem Planeten durch menschlichen Einfluss dramatisch beschleunigt ist1. Der Mensch hat die Natur in gigantischem Ausmaß zu seiner Ressource gemacht und ließ ihr weniger und weniger Raum. Das Resultat sind ökologische Krisen, die sich mittlerweile zur echten Gefahr für uns selbst entwickelt haben.  

Das ist nicht nur in fernen Ländern ein Problem, wo Regenwälder gerodet oder gigantische Monokulturen errichtet werden. Auch hier bei uns ist die Natur in keinem guten Zustand2. Begradigte Flüsse, versiegelte Böden, landwirtschaftliche Monokulturen, sauber bewirtschaftete Forste und Flächen, denen die Vielfalt natürlicher Strukturen fehlt: Auch hier in Österreich, in Europa ist die Artenvielfalt stark in Bedrängnis. 

Ohne die Lebensräume und Nahrungsketten, die zuvor bereits beschrieben wurden, kann sich das Leben der Natur nicht entfalten. Ohne Pfützen, seichte Dümpel und Teiche keine Larven und Kaulquappen, keine Libellen, keine Frösche. Insekten wie etwa Wildbienen, Fliegen und Schmetterlinge wiederum brauchen Wiesen, blühende Blumen und Bäume, Totholz und sandige Böden. Sie alle sind wieder Nahrungsquelle für größere Tiere wie Vögel oder Kleinsäuger. Spechte und viele andere Arten brauchen Totholz, in dem sie leben oder von dem sie sich ernähren können. Vögel wie etwa die Mauersegler sind auf kleine Nischen in Gebäuden, Nistkästen oder Höhlen in Bäumen angewiesen, in denen sie brüten können. Diese Aufzählung könnte noch sehr lange fortgeführt werden. Leider sind mit der Zeit viele dieser Nischen, Strukturen und Lebensräume verschwunden – und mit ihnen die Pflanzen und Tiere, die sie bewohnen.

Jahrhunderte und Jahrtausende lang hat der Mensch im engen Kontakt mit der Natur gelebt und engen Bezug zu ihr gehabt. Seit der industriellen und später der technischen Revolution hat der Naturkontakt immer mehr abgenommen. Heute bewegen sich viele Menschen beinah auf einem Minimum an Kontakt mit der Natur. Im Denken haben sich die Menschen oft über über die Natur „erhoben“.

Unsere Ausstellung lädt sie ein, sich folgende Fragen zu stellen. Sie sollen dazu anregen, unsere individuelle Naturbeziehung zu reflektieren und zu hinterfrage. Nehmen wir das Lebendige um uns herum überhaupt noch wahr?

Reflexionsfragen
  • Wann kommen wir eigentlich noch in Kontakt mit der Natur? 
  • Ist die Natur noch ein Gegenüber für uns? Bekommen wir das Lebendige um uns herum noch mit? 
  • Spüren wir eine Verbindung zur Natur, zum Lebendigen?  
  • Sehen wir uns selbst als Teil dieses lebendigen Kreislaufes, als Teil der Natur? Oder als ihr Gegenüber und Beherrscher? 

Text „Natur & Wir“ (Dr. Martin Scheuch, 2024)

Zum Text

Musikalische Referenz

Die Musikgruppe Massive Attack hat in ihrem Lied „Hymn of the big wheel“ thematisiert, wie es einem einzelnen Menschen mit gesellschaftlichen und ökologische Krisen geht. Und dennoch: „The big wheel keeps on turning“ Massive Attack: „Hmyn of the big wheel“

Zurück zur Übersicht

  1. z.B. „Globales Artensterben und der Zustand der Ökosysteme“ (UniNetZ) ↩︎
  2. siehe dazu zum Beispiel Fokus: Renaturierung ↩︎