Biodiversität findet Stadt!
Biodiversität – also biologische Vielfalt – ist laut Umweltbundesamt „die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Sie umfasst alle Arten und Organisationsstufen von Lebewesen sowie deren genetische Vielfalt, die Vielfalt von Lebensräumen und die in diesen Systemen wirkenden Prozesse.“
Städte sind dabei artenreicher und vielfältiger, als uns das bewusst ist! Sie bieten eine Vielzahl an Nischen für unterschiedlichste Lebewesen. Die Stadt Wien bietet mit ihren rund 50% Grünlandanteil und ihrer abwechslungsreichen Geografie und Ökologie zahlreiche Lebensräume für Tiere und Insekten. Vom Wienerwald bis in die Donauauen, vom Bisamberg, dem nördlichsten Ausläufer der Alpen, bis in die pannonischen Gefielde im Süden der Stadt: Wien ist eine Stadt voller Kontraste und unterschiedlichster Lebensräume – auch in ökologischer Sicht. Auch mitten in der Stadt finden sich tolle Naturorte: vom Wienfluss, der Stück für Stück renaturiert wird über den Wienerberg bis zum Prater, dem größten innerstädtischen Park.
Aber Natur braucht keine riesigen Flächen, um in der Stadt wirklich heimisch zu sein. Auch kleine Flächen können Großes bewirken und für viele Lebewesen Lebensraum und Nahrung bieten. „Spatz und Biene“ ist dabei ein Pilot-Beispiel für eine solche Fläche, die den Tieren in der Stadt gewidmet ist und der Wildnis ein Zuhause auf kleinstem Raum gibt. Die Fläche wurde 2025 im Zuge der Ausstellung „Gesichter der Vielfalt“ auf Anregung der Wiener Umweltanwaltschaft, des Ökosozialen Forums Wien und der Kleinen Galerie von der Bezirksvertretung Landstraße zur Biodiversitätsfläche gewidmet und von den Wiener Stadtgärten entsprechend umgestaltet. Den auch kleine Flächen können eben einen großen Unterschied machen!
Die Stadt lebt auf
Die Grünfläche, die sie neben der Galerie sehen, war bis zum Frühjahr 2025 noch eine strukturarme Wiese mit zwei Sträuchern und einem Baum. Anhand der Konzeption mit den Zielarten Wildbienen und Haussperling (Spatz) wurde für diese kleine Biodiversitätsinsel der klingenden Namen „Spatz und Biene“ gewählt. Denn diese Arten können Support durch Lebensraum und Nahrungsquellen gut gebrauchen.
Strukturen wurden angelegt, ein zweiter Baum und heimische Sträucher wurden gepflanzt. Auch ein Totholzstamm und ein kleiner Totholzhaufen aus Ästen, die am Baum abfallen, bereichern das Mini-Habitat. Eine Nisthilfe – häufig „Insektenhotel“ genannt – bietet am Baum Nistplätze für heimische Wildbienenarten. Sträucher und Totholz fördern Insekten, die wiederum als Nahrung für heimische Vögel herhalten müssen.
Die Fläche bildet damit einen lebendigen Kontrastpunkt zur Kunstinstallation „Warten auf Vögel“ von Josef Bernhardt1, im Volksmund als „Vogelhäuserlpark“ bezeichnet, die anhand ihrer naturferne Tristesse, Regelmäßigkeit und die Einfalt menschlicher Gestaltung zum Ausdruck bringt. Während diese Kunstinstallation – zahllose Nistkästen ohne Nutzen, eine Fläche ohne Lebendigkeit – Aufmerksamkeit erregt und sensibilisieren will, bietet Spatz und Biene mit einfachsten Mitteln als Biodiversitätsfläche einen echten Kontrast dazu. Die Künstlerin dahinter spricht hier allerdings keine nicht auf Vernissagen mit blumigen Worten über ihr Werk und findet keine Worte und Titel für ihre Arbeit – denn die Künstlerin ist in diesem Fall die Natur selbst.


