27. September 2026
Am 24. September lud das Ökosoziale Forum Österreich & Europa gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) und dem Europäischen Umweltbüro (EEB) zur Diskussion in die Ständige Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Landwirtschaft und Umwelt bei der Gestaltung der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik stärker an einem Strang ziehen können.

Auf dem Podium diskutierten Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD AGRI) der Europäischen Kommission, Jan Ceyssens, stellvertretender Kabinettschef für Umweltpolitik der Europäischen Kommission, Nikolaus Berlakovich, Vizepräsident des Europäischen Bauernverbands Copa, Patrizia Heidegger, stellvertretende Generalsekretärin des Europäischen Umweltbüros, Felix Mittermayer, leitender Mitarbeiter im Sekretariat des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, sowie Caroline Parsché, Policy Adviser für Umweltpolitik, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Moderiert wurde die Diskussion gewohnt souverän von Verena Scherfranz, der stellvertretenden Leiterin des Brüsseler Büros der Landwirtschaftskammer Österreich.
Die Diskussion machte deutlich, wie eng Landwirtschaft und Umwelt miteinander verbunden sind. Intakte Böden, Wasser, Biodiversität und die Anpassung an die Klimakrise sind zentrale Grundlagen landwirtschaftlicher Produktion. Gleichzeitig müssen politische Maßnahmen so gestaltet sein, dass sie auf den Betrieben umsetzbar bleiben. Als konkretes Beispiel für einen solchen Interessenausgleich wurde das österreichische Agrarumweltprogramm ÖPUL diskutiert.
Unterschiedliche Positionen müssen dabei kein Hindernis sein, sondern können Ausgangspunkt für bessere Lösungen werden. Entscheidend sind geeignete Anreize, Praxistauglichkeit, Eigenverantwortung und ein frühzeitiger Austausch zwischen Landwirtschaft und Umwelt.
Nachhaltige Veränderungen brauchen geeignete Rahmenbedingungen, zugleich aber auch Spielraum, um Lösungen an unterschiedliche betriebliche und regionale Voraussetzungen anzupassen. Viele Synergien zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz sind bereits vorhanden – diese gilt es stärker sichtbar und nutzbar zu machen.
Für die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik bedeutet das, Landwirtschafts-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik nicht isoliert voneinander zu betrachten. Maßnahmen müssen praktikabel sein, ökologische Wirkung entfalten und zugleich die wirtschaftliche Grundlage landwirtschaftlicher Betriebe sichern.
In der Abschlussrunde brachten die Podiumsgäste ihre wichtigsten Botschaften auf den Punkt: zuhören, Verständnis füreinander entwickeln, Eigenverantwortung stärken und vorhandene Synergien nutzen.
Ein Gedanke wurde dabei mehrfach aufgegriffen und reicht weit über Agrarpolitik und Mehrjährigen Finanzrahmen hinaus: Alle Seiten müssen „verbal abrüsten“. Gerade dort, wo Debatten zunehmend zugespitzt geführt werden, braucht es weniger Gegeneinander und mehr Bereitschaft, die Perspektive des Gegenübers ernst zu nehmen – auch dann, wenn man sie nicht teilt.

Teilnehmer:innden der Diskussionsrunde

Moderatorin Verena Scherfranz
Besonders bei emotional geführten Debatten rund um Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz ist das entscheidend. Verständnis bedeutet nicht, dieselbe Position zu vertreten. Es entsteht dort, wo unterschiedliche Sichtweisen und die dahinterliegenden Interessen ernst genommen werden.
Genau darin liegt auch die Botschaft der Diskussion „Talk or Lose“: Dialog allein löst Interessenkonflikte nicht. Ohne Dialog werden gemeinsame Lösungen aber kaum möglich sein. Wer miteinander redet, kann Unterschiede sichtbar machen, Gemeinsamkeiten erkennen und tragfähige Lösungen entwickeln. Wer nicht redet, verliert jedenfalls.
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