15. Oktober 2026
Anlässlich des Internationalen Tages der Frauen in ländlichen Gebieten wurden erstmals die zentralen Ergebnisse der Bäuerinnen-Studie 2026 präsentiert. Die Studie „Situation der Bäuerinnen in Österreich 2026“ gibt Einblick in die aktuellen Arbeits- und Lebensverhältnisse von Bäuerinnen in Österreich und wurde von BAB Project gemeinsam mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen durchgeführt.

Frauen sind eine tragende Säule der österreichischen Landwirtschaft. Sie arbeiten auf den Betrieben, übernehmen unternehmerische Verantwortung, kümmern sich um Familie und Haushalt und tragen damit wesentlich zum Funktionieren landwirtschaftlicher Betriebe bei. Doch die Ergebnisse der Studie „Situation der Bäuerinnen in Österreich 2026“ zeigen deutlich: Von tatsächlicher Gleichstellung sind wir noch weit entfernt. Das ist allerdings kein Problem, das sich auf die Landwirtschaft beschränkt.
Vielmehr spiegeln sich hier gesellschaftliche Strukturen und traditionelle Rollenbilder wider, die die Gleichstellung in ganz Österreich nach wie vor erschweren. Besonders deutlich wird dies bei der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, bei wirtschaftlichen Abhängigkeiten und bei den unterschiedlichen Chancen, Verantwortung und Führungspositionen zu übernehmen. Die Landwirtschaft ist damit auch ein Spiegel jener Gleichstellungsherausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft insgesamt steht.
Besonders sichtbar wird das bei der Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. 83,3 % der befragten Bäuerinnen erledigen die Hausarbeit alleine, 77,2 % übernehmen die Kinderbetreuung alleine. Während Frauen längst auch in traditionell männlich geprägten betrieblichen Bereichen tätig sind, übernehmen Männer vergleichsweise selten zusätzliche Verantwortung in Haushalt und Familie. Frauen haben ihre Rollen erweitert, Männer ihre traditionellen Rollen hingegen weit weniger stark verändert. Die daraus entstehende Doppelbelastung ist nicht nur eine individuelle Herausforderung, sondern Ausdruck tief verankerter gesellschaftlicher Rollenbilder.

Auch bei der Hofnachfolge wirken diese Strukturen weiter: Bei den befragten aktiven Bäuerinnen sind 77,7 % der vorgesehenen Hofnachfolger Söhne, aber nur 16 % Töchter. Der Anteil der Töchter seit 2016 ist leicht gestiegen. Es wirft aber die Frage auf: Warum mehr Söhne Betriebe übernehmen?
Eine positive Entwicklung zeigt sich bei der finanziellen Eigenständigkeit und beim Bildungsniveau der Bäuerinnen. Immer mehr Frauen haben heute die Möglichkeit, selbstbestimmt Entscheidungen über ihre Ausbildung, ihre Finanzen und ihre Zukunft zu treffen. Während 2006 erst 47 % der befragten Bäuerinnen über ein eigenes Bankkonto verfügten, waren es 2026 bereits 69,4 %. Bei den Jungbäuerinnen liegt dieser Anteil sogar bei 84,1 %. Auch das Bildungsniveau ist gestiegen: Verfügten 2016 noch 34 % der befragten aktiven Bäuerinnen über Matura oder einen Hochschulabschluss, waren es 2026 bereits 41,5 %. Wenngleich die Ergebnisse der Online-Befragung nur bedingt Rückschlüsse auf alle Bäuerinnen in Österreich zulassen, zeigt sich ein klarer positiver Trend.
Bildung und finanzielle Eigenständigkeit sind wesentliche Voraussetzungen für Selbstbestimmung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Gleichstellung. Gleichzeitig bleibt die eigenständige finanzielle und soziale Absicherung eine zentrale Herausforderung. Gerade in der Landwirtschaft, wo Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Eigentum und soziale Absicherung eng miteinander verflochten sind, können traditionelle Rollenverteilungen langfristige wirtschaftliche Abhängigkeiten verstärken und das Risiko von Altersarmut erhöhen. Ein eigenes Bankkonto ist dabei ein wichtiger Schritt, ersetzt aber keine eigenständige Einkommens- und Pensionsabsicherung. Umso wichtiger ist es, Frauen in ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit zu stärken und strukturelle Abhängigkeiten weiter abzubauen.

Internationale Frauentagung 2027 BOKU
Frauen am Land: Leben. Arbeiten. Bestimmen?
Plattform für Dialog und Vernetzung
24. bis 26. Februar 2027
Die Internationale Frauentagung der BOKU bietet eine Plattform für den Austausch zwischen Praktiker:innen, Wissenschaftler:innen und Studierenden sowie Vertreter:innen der Verwaltung und Politik. Im Mittelpunkt stehen die Lebens- und Arbeitsrealitäten von Frauen im ländlichen Raum. Eingeladen sind alle, die sich für ihre Alltagserfahrungen, Perspektiven und Geschichten interessieren, eigene Erfahrungen einbringen oder mehr darüber erfahren möchten.
Auch das Ökosoziale Forum ist mit zwei Beiträgen vertreten, die sich mit Rollenbildern und gesellschaftlicher Teilhabe von Frauen im ländlichen Raum auseinandersetzen:

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