Knapp 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am 25. November 2025 der Einladung des Ökosozialen Forums Kärnten gefolgt und haben im Bildungshaus Schloss Krastowitz mit der Frage beschäftigt „Was dürfen Lebensmittel kosten?“.
Was einen Wert hat, muss auch einen Preis haben
Bernhard Rebernig, Präsident des Ökosozialen Forums Kärnten, stellte fest, dass Lebensmittelpreise nicht nur ein heißes Thema sind, sondern auch ein zutiefst ökosoziales, welches zuletzt stark faktenbefreit diskutiert wurde. Kammerpräsident Siegfried Huber macht in seinen Grußworten klar, dass Lebensmittel die einen Wert haben auch einen Preis haben müssen und der Griff zu regionalen Lebensmitteln die heimischen Bäuerinnen und Bauern unterstützt sowie Kulturlandschaft erhält.
Landeshauptmann-Stellvertreter und Agrarreferent Martin Gruber hebt in seinen Grußworten hervor, dass in der aktuellen geopolitischen Situation eine starke heimische Lebensmittelproduktion Lebensmittelsouveränität schafft. Weiters gibt er zu bedenken, dass die aktuellen Angriffe auf den Lebensmittelpreis Bäuerinnen und Bauern für etwas verantwortlich machen wofür sie nichts können, den Haupttreiber der Preise sind der Dienstleistungs-, der Energiesektor. Bei einer Semmel beispielsweise, die 30 bis 40 Cent kostet, landen beim Urproduzenten nicht einmal 1 Cent.
Österreicher leben wert auf Qualität, das hat seinen Preis
Mit seinen anschließenden Ausführungen brachte Dr. Franz Sinabell, Senior Economist des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, die hieße Debatte um den Lebensmittelpreis in eine faktenbasierte Richtung. So zeigte er unter anderem auf, dass Österreich im europaweiten Vergleich bei den Lebensmittelpreisen zu den teureren Ländern zählt, aber klar nicht das teuerste ist. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass in Österreich ein hoher Wert auf den Konsum qualitativ hochwertiger Lebensmittel gelegt wird. Sieht man sich nicht den Preis, sondern die Leistbarkeit von Lebensmittel an, sieht man, dass österreichische Haushalte gemeinsam mit den Niederlanden den mit Abstand geringsten Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. In der Diskussion um die Lebensmittelpreise muss man zudem berücksichtigen, dass 60% der Lebensmittel im Supermarkt oder direkt beim Bauern gekauft werden, 40% werden in Kantinen und Restaurants konsumiert. Inflationstreibend waren die Lebensmittelpreise in Österreich nur 2023 aufgrund der Weltmarktverwerfungen infolge der Ukraine-Krise, zentraler Inflationstreiber waren und sind hingegen die Energiekosten. 2025 siegen vor allem die Preise für Importware (Kaffee, Kakao, Tee, Südfrüchte), die heimische Produktion selbst war heuer inflationsdämpfend.
Erzeugerpreise sinken, Konsumentenpreise nicht
Der Anteil der heimischen Landwirtschaft an der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette, vom nicht bestellten Acker bis hin zum Konsumenten, beträgt gerade einmal 4%. Eine der Hauptursachen dieses Dilemmas ist, dass während alle anderen Akteure der österreichischen Lebensmittel-Wertschöpfungskette selbst die Preise in Österreich festlegt, die Preise für die österreichische Landwirtschaft am Weltmarkt gemacht werden. Seit 2022 ermöglicht die Agrarmarkttransparenzverordnung zu analysieren welcher Teil der Wertschöpfungskette wie viel zu den Lebensmittelpreisen, die der Konsument zahlt, beiträgt. Am Beispiel von Mehl sieht man eindeutig, dass es immer wieder zu asymmetrischen Preisanpassungen gekommen wo der Erzeugerpreis gesunken ist, nicht aber der Preis für Konsumenten. Der Anteil der Verarbeiter und Händler ist somit nachweislich angestiegen. Eine von der Bundesregierung kürzlich beschlossene Maßnahme dagegen ist die gesetzliche Kennzeichnungspflicht von Shrinkflation (geringere Verkaufsmenge bei gleichbleibendem Preis).
Klare Worte aus der Wertschöpfungskette
In der anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion wurde mit Expertinnen und Experten der Wertschöpfungskette intensiv über die Wertschätzung für und Wertschöpfung durch Lebensmittel gesprochen. Landesbäuerin und Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer, Astrid Brunner, unterstrich die hohe Qualität mit welche die heimische kleinstrukturierte Landwirtschaft Lebensmittel produziert und mahnte ein, dass auch die hohe Lebensmittelverschwendung in den Haushalten nicht außer Acht gelassen werden kann. Helmut Petscher, Geschäftsführer der Kärntnermilch, kann sich nicht erklären warum die Lebensmittelpreise hauptverantwortlich für die hohe Inflation sein sollten wo die Butterpreise in den letzten sieben Wochen Woche für Woche gesunken sind und ist besorgt, dass die kürzlich losgetretene Lebensmittelpreisdebatte monatelange Gespräche zur Haltungs- und Herkunftskennzeichnung zunichtemacht. Kurt Aschbacher, Billa-Vertriebsdirektor, begründet die gestiegenen Lebensmittelpreise mit den gestiegenen Kosten im Einzelhandel und wünscht sich, dass in der aktuellen Diskussion nicht nur über den Preis, sondern auch mehr über die Qualität der Lebensmittel gesprochen wird.


