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Elternkarenz: Warum sie noch immer vor allem Frauensache ist

03. März 2026

Karenz steht in Österreich Müttern und Vätern offen. Trotzdem sind vor allem Mütter in Karenz.

Illustration mehrerer erhobener Fäuste als Zeichen von Solidarität und Empowerment. In der Mitte halten zwei Hände ein Banner mit der Aufschrift „International Women’s Day!“. (c) Canva

Der Begriff Karenz stammt vom Lateinischen "carentia" ab, was so viel wie Entbehren, Nichthaben oder Verzicht bedeutet. Vor allem Väter verzichten in Österreich auf ihren Karenzanspruch.

In Österreich verbringen Mütter nach der ersten Geburt im Durchschnitt 416 Tage in bezahlter Elternkarenz, Väter hingegen lediglich neun Tage. Diese Zahlen aus einer Studie zweier Forscherinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wurden nun in der Fachzeitschrift Comparative Population Studies publiziert. Claudia Reiter und Sonja Spitzer verdeutlichen darin die weiterhin sehr ungleiche Inanspruchnahme der Betreuungszeit zwischen den Geschlechtern.

Vergleich der durchschnittlichen Elternkarenz in Österreich: Mütter 416 Tage, Väter 9 Tage.

Keine Verbesserung 

Mit 1. Jänner 2010 wurde die einkommensabhängige Variante des Kindergeldes eingeführt. Damit sollten laut der Debatte im Nationalrat neben der finanziellen Absicherung von jungen Familien zwei Ziele erreicht werden: Mehr Väter sollten Elternkarenz in Anspruch nehmen. Und die rückläufige Geburtenrate sollte stabilisiert werden.

Diese Erwartungen konnte die neue Kindergeldvariante nicht erfüllen: 2009 waren 4,7 Prozent der Karenzgeldbeziehenden Männer. 2024 lag der Anteil bei 3,8 Prozent. Auch bei der Geburtenrate blieb der erhoffte Effekt aus: 2009 verzeichnete Österreich 9,2 Lebendgeborene je 1.000 Einwohner:innen, 2025 waren es 8,2.

Claudia Reiter und Sonja Spitzer konnten zeigen, dass selbst hoch qualifizierte Mütter ihre Erwerbstätigkeit häufig über längere Zeit unterbrechen, während sich die Erwerbstätigkeit von Vätern kaum verändert – unabhängig vom Bildungsgrad. Reformen im Elternurlaubssystem reichen nicht aus, um die Beteiligung von Vätern in der Kinderbetreuung zu erhöhen. Gesellschaftliche Normen werden durch das Angebot nicht verändert. Großzügige Karenzregelungen bieten zwar finanzielle Absicherung und Flexibilität, können aber zugleich bestehende Arbeitsteilungen verfestigen.

Die geringe Beteilung der Väter an der Karenzzeit muss nicht sein: In Luxemburg sind 58,9 Prozent der Karenznehmenden Väter, in Island 49,7 Prozent und in Portugal 47,7 Prozent. Hier hat Österreich noch einen weiten Weg vor sich. Eine gleichmäßigere Aufteilung der Zeit mit dem Kind bietet eine Chance und Bereicherung für alle Beteiligten. Zeit, dass mehr Eltern, Unternehmen und die Gesellschaft dies sehen und leben.

Quellen:

Statistik Austria, 2025
OECD Studie, Oktober 2025
Reiter, C. and Spitzer, S. 2026. When Gender Trumps Skills: Employment Trajectories of Austrian Parents After Their First Birth. Comparative Population Studies. 51, (Feb. 2026). DOI:https://doi.org/10.12765/CPoS-2026-01.

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