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Uns bleibt immer noch Paris ...

Themenschwerpunkt Klimaschutz & Klimaanpassung – denk.stoff 1/2025

… dann die Moral. Angesichts der Abhängigkeiten in wichtigen Wirtschaftsbereichen, kommt der Risikominimierung besondere Bedeutung zu. Wir können unsere europäischen Werte nur leben, wenn die Grundbedürfnisse der Menschen gesichert sind.

Straße in Paris mit Eiffelturm im Hintergrund

Die Bilanz der Klimakonferenz in Brasilien fiel bescheiden aus. Singuläre Themenzugänge sind starken konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Es ist Zeit, Umwelt, Wirtschaft und Soziales zusammen zu denken.

Der Präsident der Weltklimakonferenz (COP) verkündete mit einem Hammerschlag die Einigung. Im Saal brach tosender Jubel aus. „Heute hat die Welt ein Rettungsseil bekommen“, „ein monumentaler Erfolg für die Völker des Planeten“, „Zeichen der Hoffnung“, „Wendepunkt für die Welt“ waren die überschwänglichen Kommentare aus der europäischen, internationalen, deutschen, US-amerikanischen Politik. In diese positive Bewertung stimmten auch Umweltschutz-Gruppen und Klimawissenschaft ein. Die COP, die Weltklimakonferenz, war ein voller Erfolg und brachte das Bekenntnis von 195 Staaten, gegen die Klimakrise vorzugehen. Am 12. Dezember 2015 endete die COP 21 in Paris. Zehn Jahre später ist die Stimmung am Ende der Klimakonferenz in Belém eine andere. Ernüchterung wäre als Charakterisierung wohl noch zu positiv.

Klimakrise von den Schlagzeilen in den Alltag

Vor zehn Jahren wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen. Der globale Temperaturanstieg sollte jedenfalls unter +2 °C und möglichst unter +1,5 °C gehalten werden. Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht mehr erreichbar, auch die zwei Grad werden mittlerweile schwierig. Während globale CO2-Emissionen hoch bleiben und die Klimakrise durch Krieg, Sicherheitsfragen, Teuerung und Budgetzwänge aus den Schlagzeilen und von der politischen Agenda verdrängt werden, zeigen die Entwicklungen eindrücklich: Klimawandel findet statt – heute.

Der Zweite Sachstandsbericht Klimawandel, der im Sommer veröffentlicht wurde, macht deutlich: Österreich zählt zu den besonders betroffenen Regionen Europas. Österreich erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Seit 1900 ist die durchschnittliche Temperatur in Österreich um rund 3,1 °C gestiegen. Die Folgen: mehr Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden, Starkregen und Muren. Die Schäden treffen die Land- und Forstwirtschaft, unser Gesundheitssystem, die Infrastruktur, Tourismus und Ökosysteme.

Der Sachstandsbericht beziffert die gesamten Klima-Schäden für Österreich auf eine Größenordnung von rund 2 Mrd. Euro pro Jahr. Allein die Hochwasserereignisse im September 2024 verursachten laut Abschätzungen Schäden in der Höhe von 1,3 Mrd. Euro. Die Infrastrukturschäden sind mangels verfügbarer Daten dabei noch nicht berücksichtigt.

Der Preis des Nicht-Handelns steigt. Allein Klimaschutz kostet Geld und kommt auch jenen zugute, die nichts tun. Klimaanpassung scheint da schon auf mehr Akzeptanz zu stoßen, kann sie doch einen Wirtschaftsmotor darstellen, der in Zeiten eher trister Wachstumsaussichten willkommene Impulse liefern kann. So rechnet beispielsweise das wirtschaftsorientierte EcoAustria, dass Klima-Anpassungsmaßnahmen bis zu 26.000 zusätzliche Arbeitsplätze, einen Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte sowie einen jährlichen BIP-Zuwachs von 13 Mrd. Euro bringen kann.

Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, Klimaschutz und Klimaanpassung nicht als isolierte Umweltaufgaben zu sehen. Sondern auch als eine Chance für eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Gebäudesanierung kann hier eine offensichtliche Brücke schlagen, die alle drei Nachhaltigkeitsaspekte abdeckt. Gebäude sind laut Umweltbundesamt für zehn Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Österreich verantwortlich. Zusätzlich verbessert eine Sanierung den Wohnkomfort spürbar: gleichmäßigere Temperaturen, weniger Zugluft, weniger Feuchteprobleme – und im Sommer bleibt die Hitze draußen, was angesichts steigender Hitzetage zu einem wichtigen Gesundheitsthema wird – nicht nur für Ältere und Kranke. Auch ökonomisch lohnt es sich: Sanierte Gebäude erzielen höhere Marktwerte, vermeiden Folgeschäden wie Schimmel oder Frostabplatzungen und Sanierungen erhöhen die regionale Wertschöpfung. Für eine Dekarbonisierung bis 2040 müsste sich laut dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen die jährliche Sanierungsquote von 1,5 Prozent auf 2,8 Prozent verdoppeln.

Klimaschutz braucht integrierte Politik

Auch wenn kurzfristig andere Themen wie Energiepreise, Wirtschaftsfragen oder soziale Schieflagen die Schlagzeilen dominieren, verschwinden die ökologischen Herausforderungen nicht. Die Klimakrise macht keine Pause, nur weil sich politische Debatten gerade um andere Fragen drehen. Eine zukunftsfähige Politik geht die großen Fragen mit einer integrierten Strategie an. Die Ökosoziale Marktwirtschaft kann hier als Kompass dienen. Integraler Bestandteil und erster Schritt wären Rahmenbedingungen, die eine langfristige Planungssicherheit bieten. Das heißt nicht, dass sich die Instrumente nicht ändern können, wenn die Evaluierung die Wirksamkeit einzelner Regelungen in Frage stellt. Aber die Richtung, das grundlegende Bekenntnis, sollte beibehalten werden. Sonst bleibt irgendwann auch Paris – wenn überhaupt – nur mehr eine Erinnerung.

Angela Köppl und Elfriede More im Gespräch

Angela Köppl (l.), bis 2025 Energie- und Umwelt-Ökonomin am WIFO, und Elfriede More (r.) Leiterin der Abteilung Internationale Klima- und Umweltangelegenheiten im Klimaministerium, im Gespräch über die notwendigen Schritte in der Klimapolitik.


Kluge Klimapolitik setzt auf grünes Wachstum

Budgetzwänge, Kriege, Handelskonflikte und die globalen Sicherheitsüberlegungen verdrängen die Klimapolitik von der politischen Agenda. denk.stoff sprach mit Umweltökonomin Angela Köppl und Elfriede More, für internationale Klima- und Umweltfragen verantwortliche Abteilungsleiterin im BMLUK, über klimapolitische Notwendigkeiten und die Möglichkeiten, Klimaanliegen mit zukunftsgerichteter Standortpolitik und Sozialverträglichkeit zu kombinieren.

UN-Generalsekretär António Guterres hat bei der Klimakonferenz in Belém gemeint, wir sind gescheitert. Ist das tatsächlich der Fall?

Angela Köppl: Nicht völlig gescheitert, würde ich sagen. Aber bei den Zielen des Paris-Abkommens gibt es noch große Lücken.

Elfriede More: Wir haben vor zehn Jahren das Pariser Klimaübereinkommen beschlossen, mit dem Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad bzw. 1,5 Grad zu begrenzen. Davon sind wir weit entfernt. Das Pariser Übereinkommen hat aber verbindliche Nationale Klimapläne (NDC) gebracht. Sie sind vielleicht nicht alle ambitioniert. Aber ohne sie wäre – so eine aktuelle Analyse – der Temperatur anstieg wahrscheinlich bei vier Grad. Aktuell sind wir mit den umgesetzten und geplanten Maßnahmen bei etwa 2,5 bis 2,8 Grad.

War das 1,5-Grad bzw. 2-Grad-Ziel zu ambitioniert?

More: Wir brauchen ambitionierte Ziele. Die wissenschaftliche Datenlage ist klar: Unter zwei Grad lassen sich mit Klimaanpassungsmaßnahmen manche Auswirkungen noch abfedern. Darüber werden manche Länder mit den negativen Folgen nicht mehr umgehen können.

Köppl: Die Ziele waren nicht zu ambitioniert. Aber die Botschaft, dass wir für die Zielerreichung einen grundlegenden Strukturwandel brauchen, ist nicht angekommen.

Wurden bei der Klimakonferenz Fortschritte erzielt?

More: Das Ergebnis der COP 30 in Belém war speziell in puncto Emissions-Minderung kein Fortschritt. Aber auch kein Rückschritt – das allein hat viel Energie gekostet. In Belém gab es aber nicht nur politische Verhandlungen. Viele Unternehmen haben Lösungen präsentiert, viele leben bereits die Transformation.
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Stop-and-go-Politik schadet dem Wirtschaftsstandort

Köppl: Unternehmen brauchen aber die entsprechenden Rahmenbedingungen. Nur so können sie die vorhandenen Technologien skalieren. Und hierbei fehlt es schon noch an den entsprechenden Regelungen – auch in der EU. Grundsätzlich ist die EU-Energie- und Klimapolitik mit dem „Fit for 55“-Paket gut aufgesetzt. Aktuell sehen wir aber großen Druck, dass Maßnahmen wieder aufgeweicht werden oder später in Kraft treten. Unternehmen brauchen aber stabile Rahmenbedingungen, die in die Zukunft reichen. Klare Rahmenbedingungen können Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärken.. Das ist für den Wirtschaftsstandort enorm wichtig. Mit einer Stop-and-go-Politik ist das nicht möglich.

Die Förderintensität der vergangenen Jahre in Österreich steht unter Kritik. Wurde überfördert?

More: Es braucht Rahmenbedingungen und Vorgaben. Und es braucht auch Unterstützung für freiwillige Maßnahmen. In Zeiten von knappen öffentlichen Budgets ist es schwierig, große Förderprogramme zu machen. Die Mittel, die es nach wie vor gibt, müssen so effizient wie möglich eingesetzt werden.

Köppl: Ich habe überhaupt nichts gegen Förderungen. Aber Förderprogramme brauchen klare Programmzielsetzungen und ein strenges begleitendes Monitoring. Und letztlich den Mut, auch entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Besonders in budgetär schwierigen Situationen muss ich schauen, wo Fördermittel den höchsten Effekt erzielen. Und natürlich muss ich auf der anderen Seite, vielleicht kontraproduktive Förderungen streichen.

Welche kontraproduktiven Förderungen wären das?

Köppl: Förderungen werden und wurden mit einem bestimmten Zweck eingeführt. Zusätzlich können sie aber nicht erwünsche Nebeneffekte haben. Das ist typisch für umweltschädliche Subventionen. Und gerade vor dem Hintergrund budgetärer Knappheiten und der Dringlichkeit, Emissionen zu reduzieren, sollten Förderungen
mit klimaschädlichen Wirkungen hinterfragt und reformiert werden. Wir wissen, im Verkehrsbereich gibt es eine Reihe von Förderungen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Bei der Wohnbauförderung könnten Reformen dazu beitragen, Zersiedelung oder Verkehrserregung zu verringern, oder besser, zu vermeiden.

More: Zu den kontraproduktiven Subventionen wurde eine Arbeitsgruppe im Finanzministerium eingerichtet. Die Empfehlungen werden für das späte Frühjahr erwartet. Vor dem Hintergrund der Budgetkonsolidierung wird es darum gehen, wie die Mittel so eingesetzt werden, dass sie den bestmöglichen Effekt erzielen. Und es gibt natürlich immer die Abwägung, welches Ziel will man erreichen – soziale Ziele, Klimaschutz etc. Das wird natürlich diskutiert.

Ist das Klima überhaupt noch auf der politischen Agenda?

More: Hier hat sich aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Lage in Europa vieles geändert. Dennoch gibt es weiterhin das klare Bekenntnis zum Klimaschutz mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die es der europäischen Industrie ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Energiewende geht voran – auch weltweit. Die europäische Industrie muss die Chancen für grünes Wachstum nutzen.

Köppl: Die Klimapolitik steht unter Druck. Das Emissionshandelssystem ETS 2 startet nun ein Jahr später. Auch die Debatte um das Aus für den Verbrennermotor ist unter Wettbewerbs- und Standortüberlegungen ein unglückliches Beispiel. Technologisch fallen wir damit weit hinter die Chinesen zurück. Das können wir kaum mehr wettmachen.

Welche Rolle spielten in Belém die wenig entwickelten Länder, Inselstaaten und indigenen Bevölkerungsgruppen?

More: Speziell bei der internationalen Klimafinanzierung ist klar, dass der Schwerpunkt der Maßnahmen auf kleinen Inselstaaten, den am wenigsten entwickelten Länder und indigenen Völkern liegen muss. Aber großen sogenannte Schwellenländer, die im Rahmen der UNO noch als Entwicklungsländer gelten, auch wenn sie vielleicht ein höheres BIP haben als manche europäischen Länder, versuchen diese Fokussierung zu verhindern. Die Bremser sind weniger die Industriestaaten, sondern Schwellenländer, die sich als Entwicklungsländer sehen.

Ist die Möglichkeit, Zertifikate im Ausland zu kaufen, ein Problem?

Köppl: Die Erfahrungen unter dem Kyoto-Regime mit dem Clean Development Mechanism (CDM) und der Joint implementation (JI) waren denkbar schlechte. Die EU hat diese Möglichkeit nun mit fünf Prozent der Einsparungen und auf High Quality Zertifikate beschränkt. Persönlich bin ich aufgrund der bisherigen Erfahrungen nach wie vor keine besondere Freundin davon. JI- und CDM-Zertifikate haben letztlich aufgrund der Menge an billigen Zertifikaten zu einem Verfall des ETS-Preises geführt.

Was wären Ihre Ratschläge für die österreichische und europäische Klimapolitik der nächsten fünf bis zehn Jahre?

More: Dranbleiben, auch wenn es andere Schwerpunkte gibt. Wir werden weiterhin einen ambitionierten Klimaschutz brauchen, wirtschaftlich und sozial verträglich.

Köppl: Klimapolitik auch als Wettbewerbspolitik und Standortpolitik sehen. Bei den Kosten auch künftige zu erwartende Kosten durch den Klimawandel in aktuelle Entscheidungen einbeziehen.


Logo mit der Frage „isst das jemand?“. Das Wort „das“ ist grafisch hervorgehoben und enthält eine Gabel sowie ein Messer als Gestaltungselemente, die auf das Thema Lebensmittel und Essen hinweisen.


Lebensmittelverschwendung: ein unterschätztes Klimaproblem

In Österreich werden jährlich über eine Million Tonnen genussfähige Lebensmittel weggeworfen. Diese Verschwendung bedeutet nicht nur finanzielle Verluste, sondern auch die Vergeudung wertvoller Ressourcen wie Boden, Wasser, Energie und Luft.

Wir alle haben jeden Tag mit Lebensmitteln zu tun. Weniger in aller Munde ist das Thema Lebensmittelverschwendung: das harte Brot, das sich kaum mehr schneiden lässt; die Karotte, die zu schimmeln beginnt; die gekochten Nudeln, die nicht schmecken. Wir alle werfen das eine oder andere Lebensmittel in den Müll – jährlich werden in Österreich pro Kopf rund 131 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Die Gründe sind mannigfaltig.

Verschwendung und Klima

Lebensmittelverschwendung entsteht nicht nur bei uns zu Hause, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Verarbeitung bis hin zum Handel. Während in Österreich jährlich über eine Million Tonnen genussfähige Lebensmittel weggeworfen werden, belaufen sich die weltweiten Verluste laut der FAO auf 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Diese Verschwendung hat Konsequenzen für Umwelt und Klima: Sie trägt zwischen acht und zehn Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Wäre Lebensmittelabfall ein Land, hätte es nach China und den USA den drittgrößten Treibhausgasausstoß. Die EU hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung pro Kopf bis 2030 zu halbieren.

Klimawirkungen am Beispiel Brot

Die klimatischen Auswirkungen von Lebensmittelabfällen in Österreich werden eindrücklich am Beispiel Brot besonders deutlich. Brot und Gebäck sind die Lebensmittel, die hierzulande am öftesten weggeworfen werden – insgesamt über 210.000 Tonnen im Jahr. Das sind 23 Kilogramm Brot pro Person oder etwa 430 Semmeln jährlich. Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg entspricht das 126.000 Tonnen CO2-Äquivalenten, die unnötig in der Atmosphäre landen. Damit können 26.600 benzinbetriebene Autos ein Jahr lang fahren. Lebensmittelverschwendung ist ein Problem – in Österreich und weltweit. Jedes nicht verschwendete Lebensmittel ist daher auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Was wir alle gegen Verschwendung von Lebensmittel tun können, zeigt das Projekt „Isst das jemand? Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung!“ Das Ökosoziale Forum und Die Tafel Österreich setzen sich darin für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln ein.

Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz ist kein Widerspruch

Die wunderbare Welt der Bioökonomie

Verpackung aus Algen, Kosmetika aus Abfällen der Papierindustrie – geht alles schon und ist Teil eines ebenso faszinierenden wie aufstrebenden Wirtschaftsmodells.

Die Bioökonomie verbindet ökologisches Denken mit wirtschaftlichem Handeln. Sie zielt darauf ab, Umwelt- und Klimaschutz mit einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu vereinen, indem fossile Rohstoffe nach und nach durch erneuerbare Materialien und Energieträger ersetzt werden. Und das mit Erfolg.

Bereits heute erwirtschaftet der österreichische Bioökonomiesektor mit über 35.000 Unternehmen und mehr als 400.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 180 Milliarden Euro. Sie trägt rund 812 Milliarden Euro zum heimischen Bruttoinlandsprodukt bei – das sind rund acht Prozent. Bioökonomie ist damit auf Augenhöhe mit der Autoindustrie.

Europa war lange Zeit führend im Bereich Bioökonomie. Angesichts wachsender Konkurrenz aus den USA und China, droht Europa aber ins Hintertreffen zu gelangen, warnte Cornelia Frentz, Director Governance and Sustainable Investing des European Circular Bioeconomy Fund beim Bioeconomy Austria Summit im November in Wien. Mit der neuen, Ende November veröffentlichten Bioökonomie-Strategie will die EU-Kommission gezielt gegensteuern und durch die Sicherung einer nachhaltigen Nutzung von Biomasse die Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie die Widerstandskraft der europäischen Wirtschaft erhöhen. Die EU-Bioökonomiestrategie zielt darauf ab, dieses Potenzial zu erschließen, indem Innovationen und Investitionen ausgeweitet und Leitmärkte für biobasierte Materialien und Technologien entwickelt werden.

Das bedeutet auch Chancen für Innovationen aus Österreich und die Produkte, die in diesem Bereich entwickelt werden. So werden etwa Wasserpflanzen aus der Donau, die im Sommer zur Sicherung der Wasserqualität regelmäßig gemäht werden müssen, als biogener Rohstoff genutzt – zum Beispiel für die Herstellung nachhaltiger Verpackungsmaterialien. Auch in der Kosmetikindustrie gewinnen biobasierte Stoffe an Bedeutung: Ein Forschungsprojekt der Universität Graz entwickelt auf Basis industriell verfügbarer, erneuerbarer Rohstoffe leistungsstarke Tenside, die später in Körperpflege, Reinigungsmitteln oder Kosmetika Anwendung finden.

Ein weiteres Beispiel, mit dem die meisten von uns wahrscheinlich sogar täglich in Berührung kommen, ist Viskose. Aus Holz entsteht dabei eine Textilfaser, die fossile Rohstoffe wie Polyester ersetzt. Solche Anwendungen zeigen, wie alltagsnah und zukunftsweisend Bioökonomie sein kann. Sie macht deutlich, dass der Wandel zu nachhaltigen Materialien längst begonnen hat – und dass wir ihn mit jedem Produkt, das wir nutzen, aktiv mitgestalten können. Jetzt muss nur noch der emotionale Funke überspringen, um solche Anwendungen in die Breite zu bringen.

Hier können Sie die ganze denk.stoff-Ausgabe 1/2025 zum Thema Klimaschutz & Klimaanpassung anschauen.

Publikationen


Krisenbekämpfung – denk.stoff 1/2022
Krisenbekämpfung – denk.stoff 1/2022

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