Raus aus Erdöl, rein ins…?

Klima/Umwelt/Ressourcen

Im Rahmen des Horizon-2020-Projekts-Bloom fand am 6. Oktober die Diskussion „Raus aus Erdöl, rein ins ...?“ als interaktives Webinar statt.  Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten dabei die Möglichkeit, mit Forschenden aus verschiedenen Fachbereichen in Diskussion zu treten und ihre persönlichen Anliegen zu diskutieren.

Bernhard Kastner vom Zentrum für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien und Mitveranstalter des Webinars definierte Bioökonomie als auf Biomasse basierter Marktwirtschaft. Um diese zu realisieren braucht es eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation, die auf die komplexen Zusammenhänge Rücksicht nimmt. Der Bioökonomie-Experte des Ökosozialen Forums Gottfried Hebenstreit stellte Anwendungsbeispiele der Bioökonomie vor, die wir bereits heute finden – von einem Waschbecken aus Holz, einer Trinkflache aus Mais, Kosmetikdosen aus Naturharz, einem Hemd aus Zellulose oder Teller aus Abfallstoffen der Getreideverarbeitung.

Im Anschluss lieferten Forschende Einblick in Fragestellungen, die bei der Bioökonomie eine Rolle spielen. Antje Potthast vom Institut für Chemie nachwachsender Rohstoffe an der Universität für Bodenkultur Wien arbeitet vor allem mit Biopolymeren auf Basis von Lignin und Zellulose. Während weltweit 70 Millionen Tonnen Lignin pro Jahr energetisch genutzt werden, gehen nur 1,3 Millionen Tonnen in die stoffliche Verwertung. Hier ist viel Potenzial noch ungenutzt.  Um in diesem Bereich voranzukommen, ist mehr (Grundlagen)Forschung nötig. Ein Durchbruch lässt aktuell noch auf sich warten, was auch an der komplexen Struktur des Ausgangsmaterials liegt.

Gerald Kalt vom Institut für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur Wien stellt in seinem Beitrag die Bioökonomie in einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang. Es gibt beim verstärkten Einsatz von Bioökonomie noch zahlreiche Zielkonflikte zu lösen – von der  Gefahr, dass es zu Verschiebungen von Umweltproblemen kommt, oder problematische Landnutzungsänderungen. Eine Bioökonomie ohne gleichzeitige Reduktion des Ressourcenverbrauchs kann für Kalt nicht nachhaltig sein, da die komplette Substitution fossiler Rohstoffe auf Basis des aktuellen Verbrauchs nicht möglich bzw. nicht sinnvoll (weil mit enormer Importnotwendigkeit gekoppelt) ist.

Der Experte für Nachhaltige Entwicklung am Umweltbundesamt, Josef Hackl, stellte in seinem Beitrag die Bioökonomie in den Kontext der Agenda 2030 und der Ziele für Nachhaltige Entwicklung. Durch diesen Ansatz ist eine Abschätzung für die Wirkungen von Transformationsmaßnahmen vorhanden, die Zielkonflikte aufzeigt und es erlaubt, Begleitmaßnahmen zu entwickeln. Nur eine genaue Wirkungsanalyse stellt sicher, dass  Nachhaltigkeit in der Bioökonomie nicht nur zum Werbeslogan wird.

In der Diskussion mit den TeilnehmerInnen des Webinars wurde eine breite Palette an Themen angesprochen: von der Vermeidung von Mikroplastikeintrag in die Umwelt durch unsere Kleidung, über die kaskadische Nutzung der Biomasse und Abfallbehandlung bis hin zu Biodiversität in unseren Wäldern. Nicht ganz unwidersprochen war die Definition von Bioökonomie, insbesondere der Systemgrenzen. Beispielsweise werden Wind- und Solarenergie oftmals nicht als Teilbereiche der Bioökonomie verstanden. Hier wurde speziell die Frage aufgeworfen, ob Energie für die bioökonomische Prozesse nicht auch in das Gesamtkonzept aufgenommen werden soll.

Die Notwendigkeit einer Transformation der Wirtschaft in Richtung Bioökonomie war Konsens bei jenen, die sich zu Wort gemeldet haben. Unser aktueller Lebensstil auf fossiler Basis – so die vorherrschende Meinung – kann aus Klimaschutz- und Ressourcengründen nicht dauerhaft durchgehalten werden.

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Im Rahmen des Horizon-2020-Projekts-Bloom fand am 6. Oktober die Diskussion „Raus aus Erdöl, rein ins …?“ als interaktives Webinar statt.  Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten dabei die Möglichkeit, mit Forschenden aus verschiedenen Fachbereichen in Diskussion zu treten und ihre persönlichen Anliegen zu diskutieren.
Bernhard Kastner vom Zentrum für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien und Mitveranstalter des Webinars definierte Bioökonomie als auf Biomasse basierter Marktwirtschaft. Um diese zu realisieren braucht es eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation, die auf die komplexen Zusammenhänge Rücksicht nimmt. Der Bioökonomie-Experte des Ökosozialen Forums Gottfried Hebenstreit stellte Anwendungsbeispiele der Bioökonomie vor, die wir bereits heute finden – von einem Waschbecken aus Holz, einer Trinkflache aus Mais, Kosmetikdosen aus Naturharz, einem Hemd aus Zellulose oder Teller aus Abfallstoffen der Getreideverarbeitung.
Im Anschluss lieferten Forschende Einblick in Fragestellungen, die bei der Bioökonomie eine Rolle spielen. Antje Potthast vom Institut für Chemie nachwachsender Rohstoffe an der Universität für Bodenkultur Wien arbeitet vor allem mit Biopolymeren auf Basis von Lignin und Zellulose. Während weltweit 70 Millionen Tonnen Lignin pro Jahr energetisch genutzt werden, gehen nur 1,3 Millionen Tonnen in die stoffliche Verwertung. Hier ist viel Potenzial noch ungenutzt.  Um in diesem Bereich voranzukommen, ist mehr (Grundlagen)Forschung nötig. Ein Durchbruch lässt aktuell noch auf sich warten, was auch an der komplexen Struktur des Ausgangsmaterials liegt.
Gerald Kalt vom Institut für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur Wien stellt in seinem Beitrag die Bioökonomie in einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang. Es gibt beim verstärkten Einsatz von Bioökonomie noch zahlreiche Zielkonflikte zu lösen – von der  Gefahr, dass es zu Verschiebungen von Umweltproblemen kommt, oder problematische Landnutzungsänderungen. Eine Bioökonomie ohne gleichzeitige Reduktion des Ressourcenverbrauchs kann für Kalt nicht nachhaltig sein, da die komplette Substitution fossiler Rohstoffe auf Basis des aktuellen Verbrauchs nicht möglich bzw. nicht sinnvoll (weil mit enormer Importnotwendigkeit gekoppelt) ist.
Der Experte für Nachhaltige Entwicklung am Umweltbundesamt, Josef Hackl, stellte in seinem Beitrag die Bioökonomie in den Kontext der Agenda 2030 und der Ziele für Nachhaltige Entwicklung. Durch diesen Ansatz ist eine Abschätzung für die Wirkungen von Transformationsmaßnahmen vorhanden, die Zielkonflikte aufzeigt und es erlaubt, Begleitmaßnahmen zu entwickeln. Nur eine genaue Wirkungsanalyse stellt sicher, dass  Nachhaltigkeit in der Bioökonomie nicht nur zum Werbeslogan wird.
In der Diskussion mit den TeilnehmerInnen des Webinars wurde eine breite Palette an Themen angesprochen: von der Vermeidung von Mikroplastikeintrag in die Umwelt durch unsere Kleidung, über die kaskadische Nutzung der Biomasse und Abfallbehandlung bis hin zu Biodiversität in unseren Wäldern. Nicht ganz unwidersprochen war die Definition von Bioökonomie, insbesondere der Systemgrenzen. Beispielsweise werden Wind- und Solarenergie oftmals nicht als Teilbereiche der Bioökonomie verstanden. Hier wurde speziell die Frage aufgeworfen, ob Energie für die bioökonomische Prozesse nicht auch in das Gesamtkonzept aufgenommen werden soll.
Die Notwendigkeit einer Transformation der Wirtschaft in Richtung Bioökonomie war Konsens bei jenen, die sich zu Wort gemeldet haben. Unser aktueller Lebensstil auf fossiler Basis – so die vorherrschende Meinung – kann aus Klimaschutz- und Ressourcengründen nicht dauerhaft durchgehalten werden.ImageImage