{"id":926,"date":"2023-10-19T10:48:20","date_gmt":"2023-10-19T08:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/?p=926"},"modified":"2023-10-19T10:48:21","modified_gmt":"2023-10-19T08:48:21","slug":"16-10-2023-nachhaltigkeitssstammtisch-wie-abhaengig-ist-europa-bei-arzneimitteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/16-10-2023-nachhaltigkeitssstammtisch-wie-abhaengig-ist-europa-bei-arzneimitteln\/","title":{"rendered":"16.10.2023: Nachhaltigkeitssstammtisch- Wie abh\u00e4ngig ist Europa bei Arzneimitteln?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-928\" srcset=\"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-300x225.jpg 300w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-768x576.jpg 768w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-100x75.jpg 100w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-758x569.jpg 758w, https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2023\/10\/2023-10-16_PA_NH-Stammtisch_Diskussion-968x726.jpg 968w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nachhaltigkeitsstammtisch bei Richter-Pharma in Wels: v.l.n.r. Pichler (GF \u00d6SFO\u00d6), Hiegelsberger (Obmann \u00d6SFO\u00d6), Huemer (Vorstandsvorsitzender Richter-Pharma)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie abh\u00e4ngig ist Europa bei Arzneimitteln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sp\u00e4testens seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Abh\u00e4ngigkeit der Europ\u00e4ischen Union von asiatischen Arzneimitteln und Wirkstoffen ein Thema. Aber wie abh\u00e4ngig ist Europa nun wirklich und (wie) kann in Europa produziert werden? Diesen Fragen widmete sich der Nachhaltigkeitsstammtisch des \u00d6kosozialen Forums Ober\u00f6sterreich am vergangenen Montag. Informiert und mit etwa 50 Teilnehmern diskutiert wurde am Standort des Pharmaunternehmens \u201eRichter Pharma AG\u201c in Wels.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eApothekerpreise\u201c sind l\u00e4ngst Vergangenheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eines wurde an dem Abend klar: Europa und \u00d6sterreich sind bei Arzneimitteln bzw. vor allem bei Wirkstoffen abh\u00e4ngig von anderen L\u00e4ndern \u2013 und zwar vor allem von Indien und China. Dorthin hat sich die Wirkstoffproduktion in den vergangenen zwei Jahrzehnten verlagert. Noch im Jahr 2000 kamen 60 Prozent der Wirkstoffe aus Europa und etwa ein Drittel aus Asien. Heute hat sich das ziemlich genau umgekehrt: Etwa 60 Prozent kommen aus Asien, ein Viertel aus Europa. Dazu kommt, dass sich in den asiatischen L\u00e4ndern die Produktion konzentriert hat, was bedeutet, dass es bei vielen Wirkstoffen nur mehr ein oder zwei Herstellerunternehmen \u00fcberhaupt gibt. Eine sehr fragile Versorgungskette ist die Folge. Trotzdem konnte bisher auch bei Lieferengp\u00e4ssen die Versorgung in \u00d6sterreich weitgehend sichergestellt werden. Allerdings: Um mittel- und langfristig dem Problem Herr zu werden, wird kein Weg an h\u00f6heren Arzneimittel-Preisen vorbeif\u00fchren, denn die sogenannten \u201eApothekerpreise\u201c seien l\u00e4ngst Vergangenheit, sagte Roland Huemer, Vorstandsvorsitzender der Richter Pharma AG. Max Hiegelsberger, der als Obmann des \u00d6kosozialen Forums O\u00d6 zu diesem Stammtisch geladen hatte, erg\u00e4nzte: \u201eAuch in der Arzneimittelproduktion wird es letztlich darauf angekommen, wieviel \u00d6sterreich und wieviel die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr eine lokale Produktion bereit ist zu zahlen.\u201c Als \u00d6kosoziales Forum wolle man mit dem Nachhaltigkeitsstammtisch jedenfalls Bewusstsein schaffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurz- und mittelfristig: Anpassung der Preise und Spannen, Krisenlager, Bevorratung und mehr Aufkl\u00e4rung und Forschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Huemer pr\u00e4sentierte in seinem Vortrag kurz- und mittelfristige L\u00f6sungsans\u00e4tze, um die Versorgung sicherzustellen. Im Humanpharmahandel in \u00d6sterreich bestehe die Herausforderung, dass gesetzlich festgelegte Preise und vor allem Spannen aus dem Jahr 2004 eine kalkulatorische Anpassung an wirtschaftliche Preise nicht erm\u00f6glichen. \u201e<em>Der pharmazeutische Gro\u00dfhandel in \u00d6sterreich liefert heute 2\/3 aller Arzneimittel-Packungen f\u00fcr weniger Geld als ein Brief kostet. Im Jahr 2004 kostete eine Briefmarke 55 Cent, heute 1 Euro. Und dieser muss weder temperaturgef\u00fchrt gelagert noch transportiert werden.<\/em>\u201c, erkl\u00e4rte Roland Huemer die prek\u00e4re Situation in der sich der Humanpharmahandel heute befindet.<\/p>\n\n\n\n<p>So sieht der Richter Pharma Chef Huemer faire Preise und Spannen als erste Ma\u00dfnahme, um weiterhin Pharmaunternehmen dazu zu bringen Produkte in \u00d6sterreich einzuf\u00fchren und die Logistikkette bis zum Patienten weiterhin sicherzustellen. Zudem sieht er auch das vom Gesundheitsministerium bereits angedachte, aber noch nicht umgesetzte \u201eKrisenlager\u201c und die Bevorratung von Wirkstoffen, damit die Apotheken eigene Rezepturen herstellen k\u00f6nnen, als m\u00f6glichen L\u00f6sungsansatz. Neben dem existierenden Exportverbot f\u00fcr Produkte auf der Liste der Vertriebseinschr\u00e4nkungen w\u00e4re auch ein vereinfachter Marktzugang bei Lieferengp\u00e4ssen notwendig. Auch eine aktuellere Information f\u00fcr \u00c4rzte, welche Medikamente verschrieben werden k\u00f6nnen und mehr Transparenz \u00fcber den Verf\u00fcgbarkeitsstatus w\u00fcrden helfen. Als Basis brauche es auch mehr Aufkl\u00e4rung f\u00fcr Patienten \u2013 etwa \u00fcber den nicht immer notwendigen Antiobiotika-Einsatz, um auch die Anzahl an weggeschmissenen Medikamenten zu reduzieren. Nicht zuletzt ben\u00f6tige es auch forschungs- und industriefreundliche Rahmenbedingungen, um zukunftsorientierte Ma\u00dfnahmen wie die \u201epatientenindividuelle Verblisterung\u201c, also genau auf die Bed\u00fcrfnisse des Patienten abgestimmte in einem Beutel pro Einnahmezeitpunkt zusammengepackte Medikamente wirtschaftlich anbieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Langfristig: Wirkstoffproduktion zur\u00fcck nach Europa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Fischer, Gesundheitsexperte f\u00fcr Pharma\u00f6konomie der Gesundheit \u00d6sterreich GmbH, erl\u00e4uterte in seinem online zugeschalteten Referat, die (fr\u00fchere) bedeutende Rolle Europas in der Wirkstoffproduktion. Denn bis in die 1950er-Jahre war Europa global f\u00fchrend bei der Arzneimittelherstellung. In den 1960er-Jahren begannen die Schwellenl\u00e4nder Indien und China mit dem Aufbau pharmazeutischer Produktionskapazit\u00e4ten, um den Eigenbedarf zu decken und \u2013 paradoxerweise \u2013 unabh\u00e4ngiger von anderen L\u00e4ndern zu werden. Indische und chinesische Hersteller wurden in der Folge auf dem Weltmarkt wettbewerbsf\u00e4higer und der zunehmende Preisdruck in den westlichen L\u00e4ndern hatte zur Folge, dass die globale Arzneimittelproduktion immer mehr nach Asien verlagert wurde. Eine langfristige L\u00f6sung w\u00e4re also die R\u00fcckverlagerung der Produktion nach Europa und die St\u00e4rkung und Anreizschaffung lokaler Produktion. Schon bestehende Initiativen seien zum Beispiel die Expansion der lokalen Wirkstoffproduktion f\u00fcr Penicillin in Kundl in Tirol. Der Standort ist einer von f\u00fcnf Produktionsstandorten f\u00fcr Penicillin weltweit, die anderen vier liegen in China. Der Staat \u00d6sterreich finanziert dort 50 Millionen Euro. Weitere Beispiele g\u00e4be es in Frankreich mit \u201eEuroApi\u201c und \u201eSeqens\u201c. Es gibt also M\u00f6glichkeiten \u2013 wobei allerdings neben vieler anderer Herausforderungen \u2013 das Geld eine sehr wesentliche Rolle spielen wird. Denn die lokale Produktion ist wie bei so vielen anderen Branchen \u2013 teurer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie abh\u00e4ngig ist Europa bei Arzneimitteln? Sp\u00e4testens seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Abh\u00e4ngigkeit der Europ\u00e4ischen Union von asiatischen Arzneimitteln und Wirkstoffen ein Thema. Aber wie abh\u00e4ngig ist Europa nun wirklich und (wie) kann in Europa produziert werden? Diesen Fragen widmete sich der Nachhaltigkeitsstammtisch des \u00d6kosozialen Forums Ober\u00f6sterreich am vergangenen Montag. Informiert und mit etwa 50 Teilnehmern diskutiert wurde am &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":24788,"featured_media":928,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[],"class_list":["post-926","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24788"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=926"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":932,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/926\/revisions\/932"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/media\/928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oekosozial.at\/oberoesterreich\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}