Männerdomäne Führungsebene

Gesellschaftspolitik

Im Jahr 2026 steht kein einziges Unternehmen im ATX unter weiblicher Führung. Auch unter den im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen finden sich ausschließlich männliche CEOs an der Spitze.

männlich, mittleres Alter, Vorstandsmitglied?

Dass „Chefsache“ in Österreich auch im Jahr 2026 noch immer nicht "Chef:innensache" ist, zeigt ein Blick auf die Vorstandsebene österreichischer Unternehmen. Eine Studie des Vereins Merit zeigt mit Stichtag 1. Februar : Weder eines der 20 ATX (Austrian Traded Index)-Unternehmen noch eines der 55 WBI (Wiener Börsen Index)-Unternehmen hat eine weibliche oder diverse Person als Vorstandsvorsitzende:n (CEO). In den WBI-Unternehmen gibt es insgesamt 193 Vorstandsmitglieder. Davon sind 164 Männer (85 Prozent) und 29 Frauen (15 Prozent). Bei den ATX-Unternehmen ist das Geschlechterverhältnis ähnlich: Von 85 Vorstandsmitgliedern sind 73 Männer (86 Prozent) und 12 Frauen (14 Prozent).


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Mehr als die Hälfte aller Hochschulabsolvent:innen in Österreich sind Frauen. Warum also ist nicht die Hälfte aller CEOs weiblich? 
In vielen Branchen arbeiten Frauen bereits in mittleren Führungspositionen. Doch der Aufstieg nach ganz oben ist schwieriger. Beim Übergang ins Top-Management werden oft Menschen ausgewählt, die gut vernetzt sind, jederzeit verfügbar sind und einen bestimmten Karriereweg vorweisen können. Diese Strukturen bevorzugen in österreichischen Top-Unternehmen eher Personen, die Peter heißen, als Personen, die Petra heißen.

Wer ist „Peter“ – und warum ist er wichtig?

Das typische Vorstandsmitglied heißt Peter: männlich, Mitte 50 und mit einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium.

Die Häufung des Namens Peter in den Vorständen ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das Ähnlichkeit belohnt. Wer dem Profil entspricht, wird gefördert, empfohlen und sichtbar gemacht. Wer davon abweicht, scheidet oft zufällig aus Auswahlprozessen aus. Das Problem liegt dabei nicht in mangelnder Qualifikation, sondern in einem zu entwickelnden Verständnis davon, wie Führung auszusehen hat. Solange Spitzenpositionen an einem bestimmten Typus gemessen werden, bleibt der Zugang begrenzt. Den metaphorischen Trichter zu öffnen bedeutet nicht, Anforderungen zu senken, sondern Perspektiven zu erweitern. In vielen Unternehmen werden Führungspositionen weiterhin nach vertrauten Mustern besetzt. Entscheidungsträger greifen auf bestehende Netzwerke zurück und wählen häufig Personen aus, die ihnen selbst ähnlich sind – in Ausbildung, Werdegang oder Haltung. So reproduziert sich das Bild des „Peter“ immer wieder selbst.

Und so sieht Peter laut ChatGPT aus:


Ein mit ChatGPT generiertes Bild zeigt das durchschnittliche Vorstandsmitglied börsennotierter österreichischer Unternehmen. Porträt eines fiktiven, etwa Mitte 50-jährigen Mannes mit kurz geschnittenem, grau meliertem Haar und gepflegtem Bart. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd und eine blaue Krawatte. Die Person blickt direkt in die Kamera und zeigt einen neutralen, leicht selbstbewussten Gesichtsausdruck. Der Hintergrund ist unscharf und hell gehalten, wodurch der Fokus auf dem Gesicht und der formellen Geschäftskleidung liegt
(c) ChatGPT generiertes Bild

Weit hinter unseren Nachbar:innen

Beim Anteil von Frauen in den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen schneidet Österreich schlecht ab. Mit knapp 14 Prozent liegt Österreich deutlich hinter anderen Ländern in Europa und hinter den USA. Großbritannien ist mit rund 34 Prozent an erster Stelle. Danach folgen Frankreich mit 31 Prozent und die USA mit knapp 31 Prozent. In Schweden sind es 27 Prozent, in Deutschland rund 26 Prozent. Auch Polen kommt auf 18 Prozent – und damit auf deutlich mehr als Österreich.

Die Unterschiede zwischen den Ländern haben mehrere Gründe.

Frankreich hat 2011 eine gesetzliche Geschlechterquote für Verwaltungsräte eingeführt, die seither schrittweise verschärft wurde.

Großbritannien geht einen anderen Weg. Dort gibt es keine feste Frauenquote. Stattdessen hat die Finanzaufsicht einen Richtwert festgelegt: In den obersten Führungsebenen der Unternehmen sollen 40 Prozent Frauen vertreten sein. Unternehmen im britischen Leitindex müssen in ihren Geschäftsberichten angeben, ob sie dieses Ziel erreichen. Erreichen sie das Ziel nicht, sind sie verpflichtet, die Gründe dafür offenzulegen. Dadurch entsteht öffentlicher Druck. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Vorbilder. In Großbritannien gab es über viele Jahre eine Queen und mehrere Ministerpräsidentinnen. Frauen waren dadurch an der Spitze des Staates sehr sichtbar.Das hat das gesellschaftliche Bild von Führung verändert. Frauen in Spitzenpositionen gelten somit eher als selbstverständlicher.

Der Vergleich zeigt: Wenn es klare Regeln, Vorbilder oder starken öffentlichen Druck gibt, steigt der Anteil von Frauen schneller. Freiwillige Maßnahmen alleine führen nur zu schleppender Verbesserung der Frauen in den Führungsetagen.

Quellen:

  • MERIT Report, Stichtag 1. Februar 2026
  • AllBright Stiftung, Stichtag 1. September 2025