Kreislaufwirtschaft: Expertinnen und Experten im Dialog

Landwirtschaft

Bei unserer ersten „Agrar- und Forstwissenschaftlichen Konferenz“ diskutierten über hundert ExpertInnen aus Wissenschaft, Industrie, Verwaltung und Politik im Rahmen von Key-Note-Vorträgen und themenspezifischen Workshops den künftigen Forschungsbedarf der land- und forstwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft und, wie die drängenden Fragen in diesem Feld interdisziplinär bearbeitet und beantwortet werden können.

Zu Beginn der Konferenz forderte der Generalssekretär des Ökosozialen Forums Österreich & Europa, Hans Mayrhofer, lineare Produktionswege endlich zu brechen und Kreisläufe zu schließen. Der Beschluss der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und die Entwicklung einer konkreten Roadmap betrachtet er als notwendige Schritte. Ergänzend dazu brauche es interdisziplinäre Forschung, um die Umsetzung zu unterstützen, sowie die notwendige finanzielle Ausstattung (siehe Presseartikel). Zudem sieht Mayrhofer die Kooperation sowohl zwischen Betrieben als auch über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg als wichtigen Hebel, welche allerdings zukünftig größer – mindestens regional – gedacht werden sollten. Die Erweiterung der Betriebsberatung hin zu einer Kooperations- und Regionsberatung ist hierfür ein wichtiger Schritt. Der Vorsitzende des „Agrar- und Forstwissenschaftlichen Beirats“, Wilhelm Windisch, skizzierte anschließend die Zusammenhänge in der Kreislaufwirtschaft sowie deren Bedeutung für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse aus der Primärproduktion. Laut Windisch sollte Biomasse dabei so vielfältig wie möglich, in möglichst großem Umfang und so lange wie möglich als Biomasse genutzt werden. Die Verbrennung von Biomasse ist dabei als letzten Schritt des Kreislaufes zu betrachten und sollte erst erfolgen, wenn keine andere Nutzung mehr möglich ist. Er betonte zudem, dass Kreislaufwirtschaft nur auf der Ebene des Gesamtsystems funktioniere. Der Abbau von sektoralem Denken und die Nutzung von Synergien, die stofflicher Diversifizierung sowie die Übernahme von Verantwortung für nachgelagerte Verwertungen sind hierfür unumgänglich. Für den Präsidenten des Oberösterreichischen Landtags, Max Hiegelsberger, ist Kreislaufwirtschaft ein entscheidender Beitrag zur Risikovorsorge und ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche Landwirtschaft. Forschungspotenziale sieht er vor allem in dem effizienten Einsatz von Betriebsmitteln und der Rückführung von Nährstoffen (z. B. aus Klärschlamm oder der Holzverbrennung). Potenziale erkennt Hiegelsberger zudem in der Nutzbarmachung von Eiweißfutteralternativen und der Abkehr von fossiler Energie durch einen vermehrten Fokus auf Strom (z. B. PV-Anlagen auf Bauernhöfen) oder E-Fuels. Petra Winter, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, strich die Bedeutung der begleitenden Forschung bei der Verwirklichung einer effizienten und sicheren Kreislaufwirtschaft heraus. Das Schließen von Kreisläufen im Gesundheits- und Lebensmittelbereich ist laut Winter nicht nur mit Vorteilen verbunden, sondern bringt auch Risiken (z. B. Zoonosen) mit sich. Diese gilt es durch eine vorausgreifende und in Folge weiter begleitende Risiko- und Sicherheitsforschung zu vermeiden. Die Sinnhaftigkeit und Alternativlosigkeit der Kreislaufwirtschaft stellte sie dabei allerdings völlig außer Frage. Der stv. Vorstand des Instituts für Bodenforschung an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien und Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, Martin Gerzabek, skizzierte die Bedeutung der Vernetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik für die Agrar- und Ernährungswirtschaft und stellte in diesem Zusammenhang einschlägige Aktivitäten der BOKU vor. Die intensive Forschung, innovative Lehre und auch die Interaktion mit der Gesellschaft sind laut Gerzabek die Basis für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungswirtschaft. Weiterhin schlussfolgerte er, dass die Weiterentwicklung von Curricula an Hochschulen (z. B. neue Kompetenzen für AbsolventInnen und Lehrende) sowie die möglichst enge Zusammenarbeit von Academia und Praxis wichtige Stellschrauben sind, um den aktuellen Herausforderungen wie der Umsetzung des Green Deals und dem Erhalt der Ernährungssicherheit zu begegnen. Abschließend stellte Christoph Metzker, Vorstandsdirektor der Raiffeisen Ware Austria, die Bedeutung des Austauschs und der Vernetzung zwischen unternehmerischer Praxis, betrieblicher Praxis, Forschung und Ausbildung dar. Um Zukunftstrends optimal adressieren und umsetzen zu können, bedarf es laut Metzker einer Basis aus land- und forstwirtschaftlichem Grundwissen (Ausbildung in den HBLFA/HBLA) sowie der jeweiligen Spezialisierung (universitäre Ausbildung). Als drei Säulen des Kreislaufes nannte er die Ausbildungs-Infrastruktur als Grundlage für neue Entwicklung, die Tiefe und Vielfalt der Ausbildungsinhalte sowie HR-Kreisläufe und Wissenstransfer.

Zum Abschluss der Konferenz gaben Emmanuel Glenck, Bereichsleiter Thematische Programme der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführung der Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft (AWS), Martin Gerzabek, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG), und Robert Pichler, Leiter der Abteilung für Forschung, Entwicklung und Unternehmensservices, Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT), einen Überblick, wie neue Forschungsprojekte finanziert werden können und welche Projektthemen zukünftig im Fokus stehen werden. Die PodiumsgästInnen waren sich einig, dass es in Zukunft vor allem systemischer Lösungen bedarf und sich Projekte etablieren werden, welche zur Problemlösung (seien diese technisch, wirtschaftlich oder sozial) beitragen. Auch die Rentabilität von Innovationen und deren Beitrag zur Erhöhung der Wertschöpfung wird zunehmend eine entscheidende Rolle bei der Projektauswahl spielen.

Exemplarisch wurden im Rahmen einer Poster-Session zudem wichtige Forschungsprojekte der Kreislaufwirtschaft vorgestellt.


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Forschungsbedarfe


    Hier können Sie relevante Problem- bzw. Fragestellungen, welche aus Ihrer Sicht zukünftig näher beforscht werden sollten, ergänzen oder Forschungsbedarfe, welche in den Workshops erarbeitet wurden, kommentieren. Für Rückfragen wenden Sie sich an Christina Schlangen.

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