Hans-Kudlich-Preise 2022 an Franz Ledermüller, Rudolf Schwarzböck und Andrea Schwarzmann

Presseaussendung

Auszeichnung für drei Vorbilder in der österreichischen Agrarpolitik. Multiplikatoren der ökosozialen Idee geehrt.

Bei der Verleihung der Hans-Kudlich-Preise wurden am 14. September drei herausragende Persönlichkeiten mit der wichtigsten Auszeichnung des Ökosozialen Forums geehrt. In der Festveranstaltung an der Universität für Bodenkultur würdigte der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf, die drei Preisträger Franz Ledermüller, Rudolf Schwarzböck und Andrea Schwarzmann für ihre Verdienste um die Land- und Forstwirtschaft und um den ländlichen Raum.

Das Ökosoziale Forum verleiht den Hans-Kudlich-Preis zum Gedenken an den historischen Antrag Hans Kudlichs zur Aufhebung der Untertänigkeitsverhältnisse der Bäuerinnen und Bauern im Revolutionsjahr 1848. „Wir zeichnen herausragende Persönlichkeiten aus, die sich weit über das übliche Maß für die Menschen in der Land- und Forstwirtschaft und im ländlichen Raum eingesetzt haben. Sie haben dazu beigetragen, dass die Land- und Forstwirtschaft ihren Beitrag für die und in der Gesellschaft erfüllt. Die aktuellen Krisen zeigen, dass dies auch künftig immer wichtiger wird“, so Pernkopf.

Die Preisträger

Rudolf Schwarzböck war sein ganzes Leben politisch für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum tätig: als Gemeinderat, als Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag und zum Österreichischen Nationalrat, als Vorsitzender der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern, als Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA etc. Er ist Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und des Goldenen Komturkreuzes des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. Schwarzböck repräsentierte den klassischen Politikertypus mit durchschlagskräftigem Apparat im Rücken und an der Hand. Stets ein Brückenbauer war es ihm ein Anliegen, Kompromisse zu finden, mit denen die unterschiedlichen Interessengruppen leben konnten. Schwarzböck hat vieles für die Bäuerinnen und Bauern bewegt. Dabei ist er auch persönlich Risiken eingegangen – etwa beim EU-Beitritt 1995. Nach seiner Pensionierung ist Schwarzböck in die Landwirtschaft zurückgegangen und hat seinen Betrieb auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Bis heute ist er Inspiration für junge Bäuerinnen und Bauern.

Franz Ledermüller ist seit 2020 Generaldirektor-Stellvertreter der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, war von 2002 bis 2019 Generaldirektor der Sozialversicherungsanstalt der Bauern und von 1994 bis 2001 Direktor des Österreichischen Bauernbundes. In den vergangenen 20 Jahren war Ledermüller Ideengeber, Chef-Verhandler und Umsetzer praktisch aller sozialpolitischen Reformprojekte und -maßnahmen, die den bäuerlichen Bereich betreffen. Er hat sich wie wahrscheinlich keine andere aktive Person um die soziale Absicherung der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen verdient gemacht. Sein Ziel war stets, ein faires System der sozialen Integration der Bäuerinnen und Bauern zu schaffen, um die flächen­deckende bäuerliche Land- und Forstwirtschaft auch für die Zukunft abzusichern. Besonders in der schwierigen Phase in den vergangenen Jahren hat Franz Ledermüller unermüdlich die Interessen der Land- und Forstwirtschaft vertreten und sich mit viel Herzblut dafür eingesetzt, eine solide Absicherung der Bäuerinnen und Bauern zu erreichen.

Andrea Schwarzmann ist Abgeordnete zum Vorarlberger Landtag, Kammerrätin der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, Obfrau des Ländlichen Fortbildungsinstituts Vorarlberg und Landesbäuerin. Sie war Mitglied im Leistungsausschuss der Sozialversicherungsanstalt der Bauern und bis 2021 Bundesbäuerin. Andrea Schwarzmann setzt sich stets für die Gleichberechtigung der Frau in der Landwirtschaft ein. Sie kämpft engagiert für die Rechte der Frauen und dafür, dass Frauen gehört werden – sowohl am eigenen Betrieb als auch in der Gesellschaft und auch in der Agrarpolitik. Andrea Schwarzmann zeichnet ihr unermüdlicher Einsatz für die österreichischen Bauernfamilien aus. Zu den vielen Errungenschaften, für die sie sich in ihrer Amtszeit als Bundesbäuerin sowie als Vizepräsidentin im Österreichischen Bauernbund eingesetzt hat, zählen u. a. das Bäuerinnenmanifest und die Charta für eine partnerschaftliche Interessenvertretung. Andrea Schwarzmann hat sich umfangreiche Verdienste für die Bewusstseinsbildung in der Ernährung und vor allem für das verpflichtende Schulfach Ernährungs- und Konsumbildung erworben. Darüber hinaus setzt sie sich entschlossen für eine Verbesserung der Unterstützung für pflegende Angehörige ein.

Der Hans-Kudlich-Preis

Der liberale Politiker Hans Kudlich gilt als der österreichische und europäische Bauernbefreier. Sein Antrag auf Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahr 1848 löste die größte Eigentumsverschiebung aus, die Österreich jemals erlebte. Diesem historischen Antrag Hans Kudlichs will das Ökosoziale Forum mit der Verleihung der Hans-Kudlich-Preise gedenken. Der Preis wurde 1968 zum ersten Mal vergeben. Die diesjährigen Preise wurden vom Österreichischen Raiffeisenverband, dem Österreichischen Bauernbund und der Landwirtschaftskammer Österreich zur Verfügung gestellt.

Fotos der Veranstaltung können unter hosner@oekosozial.at angefordert werden.

Erste Reihe von links nach rechts: DI Hans Mayrhofer, Geschäftsführer Ökosoziales Forum; Rudolf Schwarzböck; Andrea Schwarzmann; Franz Ledermüller; Dr. Stephan Pernkopf, Präsident Ökosoziales Forum
Zweite Reihe: DI Josef Riegler, Vizekanzler a.D.; Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller; Univ.-Prof.in Eva Schulev-Steindl, Rektorin Universität für Bodenkultur; Josef Moosbrugger, Präsident LKÖ; Dr. Andreas Pangl, Generalsekretär Österreichischer Raiffeisenverband; Ramona Rutrecht, Bundesleiterin Landjugend; DI Georg Strasser, Präsident Österreichischer Bauernbund