Gender Pay Gap: Österreich über EU-Schnitt

Gesellschaftspolitik

Frauen verdienen in Österreich weniger als Männer. Zahlen zeigen, wie groß die Einkommenslücke noch immer ist. 

17,6 Prozent. So viel weniger verdienen Frauen in Österreich in der Privatwirtschaft pro Stunde im Vergleich zu Männern. Damit liegt Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt, der bei 11,1 Prozent liegt. Der sogenannte Gender Pay Gap zeigt: Trotz Fortschritten bleibt die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern, vor allem in Österreich, groß. 


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Lücke nur teilweise erklärbar 

Laut Analysen der Statistik Austria kann der hohe Lohnunterschied in Österreich nur zu rund einem Drittel durch strukturelle Unterschiede erklärt werden. Frauen arbeiten beispielsweise öfter in schlechter bezahlten Branchen und Berufen oder sind kürzer im Unternehmen beschäftigt als Männer. Darüber hinaus sind Frauen in Führungspositionen und besser bezahlten Branchen nach wie vor unterrepräsentiert. So gibt es etwa in keinem ATX-Unternehmen eine Vorstandvorsitzende (mehr Infos hier). Rund zwei Drittel der Lohndifferenz kann jedoch nicht durch solche Unterschiede erklärt werden.  

Bei der Berechnung des Gender Pay Gaps werden Stundenlöhne herangezogen, Unterschiede in der Arbeitszeit sind daher bereits berücksichtigt. Teilzeitbeschäftigung wird jedoch im Durchschnitt pro Stunde niedriger entlohnt. Da Frauen deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, betrifft es sie stärker. Ginge es dagegen rein nach dem Ausbildungsniveau, dann müssten Frauen mehr verdienen als Männer. Beschäftigte Frauen weisen im Vergleich zu Männern häufiger einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss auf. Männer verfügen im Gegenzug öfter über einen Lehrabschluss. 

Vom Gender zum Motherhood Pay Gap

Auch die Entwicklung der Einkommen im Lebensverlauf zeigt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern nimmt mit dem Alter zu. Während die Differenz bei jungen Erwerbstätigen noch relativ gering ist, wird sie im Laufe der Erwerbsbiografie größer. Insbesondere ab Anfang 30 steigen die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen deutlich langsamer als jene von Männern. Gleichzeitig nimmt die Teilzeitquote von Frauen ab diesem Alter stark zu. Ein wichtiger Grund dafür sind Betreuungsaufgaben innerhalb der Familie. Vor allem für Frauen mit kleinen Kindern ist Teilzeitarbeit häufig die zentrale Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Bei Männern mit Kindern ist Teilzeit hingegen selten und kommt sogar seltener vor als bei Männern insgesamt. 

Folgen für die Pension

Die Einkommenslücke hat langfristige Auswirkungen: Niedrigere Einkommen während der Erwerbsphase wirken sich auf Arbeitslosengeld, Vermögensaufbau und vor allem auf Pensionen aus. Der Gender Pay Gap ist damit nicht nur eine Frage der Lohngerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Gleichstellung und soziale Sicherheit. 

Quellen: Statistik Austria