Die Bilanz der Klimakonferenz in Brasilien fiel bescheiden aus. Singuläre Themenzugänge sind starken konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Es ist Zeit, Umwelt, Wirtschaft und Soziales zusammen zu denken.

Der Präsident der Weltklimakonferenz (COP) verkündete mit einem Hammerschlag die Einigung. Im Saal brach tosender Jubel aus. „Heute hat die Welt ein Rettungsseil bekommen“, „ein monumentaler Erfolg für die Völker des Planeten“, „Zeichen der Hoffnung“, „Wendepunkt für die Welt“ waren die überschwänglichen Kommentare aus der europäischen, internationalen, deutschen, US-amerikanischen Politik. In diese positive Bewertung stimmten auch Umweltschutz-Gruppen und Klimawissenschaft ein. Die COP, die Weltklimakonferenz, war ein voller Erfolg und brachte das Bekenntnis von 195 Staaten, gegen die Klimakrise vorzugehen. Am 12. Dezember 2015 endete die COP 21 in Paris. Zehn Jahre später ist die Stimmung am Ende der Klimakonferenz in Belém eine andere. Ernüchterung wäre als Charakterisierung wohl noch zu positiv.

Klimakrise von den Schlagzeilen in den Alltag

Vor zehn Jahren wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen. Der globale Temperaturanstieg sollte jedenfalls unter +2 °C und möglichst unter +1,5 °C gehalten werden. Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht mehr erreichbar, auch die zwei Grad werden mittlerweile schwierig. Während globale CO2-Emissionen hoch bleiben und die Klimakrise durch Krieg, Sicherheitsfragen, Teuerung und Budgetzwänge aus den Schlagzeilen und von der politischen Agenda verdrängt werden, zeigen die Entwicklungen eindrücklich: Klimawandel findet statt – heute.

Der Zweite Sachstandsbericht Klimawandel, der im Sommer veröffentlicht wurde, macht deutlich: Österreich zählt zu den besonders betroffenen Regionen Europas. Österreich erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Seit 1900 ist die durchschnittliche Temperatur in Österreich um rund 3,1 °C gestiegen. Die Folgen: mehr Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden, Starkregen und Muren. Die Schäden treffen die Land- und Forstwirtschaft, unser Gesundheitssystem, die Infrastruktur, Tourismus und Ökosysteme.

Der Sachstandsbericht beziffert die gesamten Klima-Schäden für Österreich auf eine Größenordnung von rund 2 Mrd. Euro pro Jahr. Allein die Hochwasserereignisse im September 2024 verursachten laut Abschätzungen Schäden in der Höhe von 1,3 Mrd. Euro. Die Infrastrukturschäden sind mangels verfügbarer Daten dabei noch nicht berücksichtigt.

Der Preis des Nicht-Handelns steigt. Allein Klimaschutz kostet Geld und kommt auch jenen zugute, die nichts tun. Klimaanpassung scheint da schon auf mehr Akzeptanz zu stoßen, kann sie doch einen Wirtschaftsmotor darstellen, der in Zeiten eher trister Wachstumsaussichten willkommene Impulse liefern kann. So rechnet beispielsweise das wirtschaftsorientierte EcoAustria, dass Klima-Anpassungsmaßnahmen bis zu 26.000 zusätzliche Arbeitsplätze, einen Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte sowie einen jährlichen BIP-Zuwachs von 13 Mrd. Euro bringen kann.

Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, Klimaschutz und Klimaanpassung nicht als isolierte Umweltaufgaben zu sehen. Sondern auch als eine Chance für eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Gebäudesanierung kann hier eine offensichtliche Brücke schlagen, die alle drei Nachhaltigkeitsaspekte abdeckt. Gebäude sind laut Umweltbundesamt für zehn Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Österreich verantwortlich. Zusätzlich verbessert eine Sanierung den Wohnkomfort spürbar: gleichmäßigere Temperaturen, weniger Zugluft, weniger Feuchteprobleme – und im Sommer bleibt die Hitze draußen, was angesichts steigender Hitzetage zu einem wichtigen Gesundheitsthema wird – nicht nur für Ältere und Kranke. Auch ökonomisch lohnt es sich: Sanierte Gebäude erzielen höhere Marktwerte, vermeiden Folgeschäden wie Schimmel oder Frostabplatzungen und Sanierungen erhöhen die regionale Wertschöpfung. Für eine Dekarbonisierung bis 2040 müsste sich laut dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen die jährliche Sanierungsquote von 1,5 Prozent auf 2,8 Prozent verdoppeln.

Klimaschutz braucht integrierte Politik 

Auch wenn kurzfristig andere Themen wie Energiepreise, Wirtschaftsfragen oder soziale Schieflagen die Schlagzeilen dominieren, verschwinden die ökologischen Herausforderungen nicht. Die Klimakrise macht keine Pause, nur weil sich politische Debatten gerade um andere Fragen drehen. Eine zukunftsfähige Politik geht die großen Fragen mit einer integrierten Strategie an. Die Ökosoziale Marktwirtschaft kann hier als Kompass dienen. Integraler Bestandteil und erster Schritt wären Rahmenbedingungen, die eine langfristige Planungssicherheit bieten. Das heißt nicht, dass sich die Instrumente nicht ändern können, wenn die Evaluierung die Wirksamkeit einzelner Regelungen in Frage stellt. Aber die Richtung, das grundlegende Bekenntnis, sollte beibehalten werden. Sonst bleibt irgendwann auch Paris – wenn überhaupt – nur mehr eine Erinnerung.